Gedankensplitter

28. Februar 2019 – Geschäftsethik

Der Kleine Prinz, bevor er auf die Menschen trifft, trifft den Kaufmann…
„Alle Sterne sind mein!“, sagte der Kaufmann.
„Ich zähle sie ab und zahle sie ein.
Dafür bekomm‘ ich von der Bank einen Schein,
worauf dann steht: Alle Sterne sind mein!“
„Eine Blume ist mein!“,sagte der Prinz.
„Ich gebe ihr Schutz und gieße sie fein.
Jene drei Vulkane hier halte ich rein.
Wie nützlich kannst deinen Sternen du sein?“
Ist denn nicht, dass man etwas besitzt, wirklich erst sinnvoll,
wenn man ihm nützt.

(aus „Die Lieder der kleinen Prinzen“ von Kurt Demmler, 1985)

Seit ich wieder einen Plattenspieler habe, höre ich meine alten Platten und Demmlers Lieder des kleinen Prinzen laufen derzeit fast in Dauerschleife.
Das Buch von Antoine de Saint-Exupéry ist ein Klassiker, den ich liebe und immer wieder zur Hand nehme.
Ganz klar: Den schwierigen Menschen Demmler hätte ich nicht gemocht und ob seiner pädophilen Übergriffe verachtet.
Dennoch liebe ich seine Texte.

Mich treibt derzeit die Frage nach der Geschäftsethik und dem Maß der Dinge um. Ich möchte dazu zwei Beispiele geben:

  1. Thema Glyphosat

    Der xxx-Konzern vertreibt Pflanzenschutzmittel, die das umstrittene Glyphosat enthalten, trotz großer Bedenken für die Umwelt. Nun hört man, dass durch die vielen Prozesse von Kunden und Umweltverbänden gegen den Einsatz dieser Mittel der Aktienkurs gefährdet sei… (Mein Mitleid hält sich in Grenzen)

    Ein Heer von teuren Anwälten wird beschäftigt, um die Klagen abzuwehren.
    Vielleicht bin ich naiv, wenn ich mich frage:
    „Warum nimmt der Konzern die Bedenken seiner Kunden nicht ernst und steckt dieses Geld lieber in die Erforschung von Alternativen?
    Warum sagt man nicht: „Wir sehen die gesellschaftlichen Bedenken gegen dieses Mittel und akzeptieren sie, wenn wir sie auch nicht teilen (denn widerlegen können die Herren und Damen sie auch nicht!) und suchen Alternativen.“
    Sind die Dollarzeichen in den Augen der Aktionäre wirklich das Maß allen Geschäftsgebarens?

    UND
    …Wem dienen eigentlich die europäischen Umweltminister ? Nur den Konzernen, oder den Menschen, die sie vertreten?
    Warum überhaupt muss das ein Widerspruch sein?
    Mein Antwortversuch: Das Problem ist die Geschäftsethik bzw. deren Nicht-Vorhandensein.
    Konzerne müssen und sollen Geld verdienen, keine Frage.
    Nur: Ist es tatsächlich egal, womit und auf wessen Kosten?
    Reicht es, als Beschwichtigung gleichzeitig an anderer Stelle Rettungsaktionen für Bienen und andere Insekten zu initiieren, wenn man den Landwirten keine Pflanzenschutzmittel liefern kann oder will, die umweltverträglich UND wirksam sind?
    Die Landwirte werden zum Sündenbock gemacht.
    Dass sie darauf auch bockig reagieren, ist, wenn auch nicht konstruktiv, so doch für mich nachvollziehbar und zeigt ihre Hilflosigkeit und den Zwiespalt, in dem sie sich befinden und allein gelassen werden.

    Wir Menschen maßen uns an, die Erde zu besitzen. Das bedeutet aber auch Verantwortung und „Besitzstandswahrung“.

    Ist denn nicht, dass man etwas besitzt,
    wirklich erst sinnvoll, wenn man ihm nützt.
  2. Thema Werbung – Hast du nicht auch den Eindruck, dass Werbung immer flacher, dümmer und sinnentleerter wird. Die reinste Kundenverars….

    Was für ein Bild haben Firmen eigentlich von ihren Kunden?
    Sehen sie sie nur als Gelddruckmaschinen, denen man jeden Quatsch unterjubeln kann?

    Die Würde des Menschen ist unantastbar…

    Wer wirksam lügen will, der muss in Zahlen lügen:
    Als da sind:
    *   sinnlose, bezugsfreie Prozentangaben, wie „Neunzig Prozent würden das Produkt kaufen!“
    „Neunzig Prozent“ von wem oder was? Kunden, Firmenmitarbeiter oder den zehn Leuten auf der Straße, die man gefragt hat?
    „würden das Produkt kaufen“? Kennen die Befragten das Produkt? Haben sie es je benutzt? Unter welchen Umständen „würden“ sie es kaufen?

    * pseudo-genauer Quatsch, wie „Alle 4 Minuten verliebt sich ein Single …“.
    Erstens bleibt dann für die Firma zu hoffen, dass genügend Singles nachwachsen, sonst ist das Geschäftsmodell in absehbarer Zeit hinfällig.
    Zweitens: Wieso EIN Single? Verliebt er sich in sein Spiegelbild oder was? Müssten es nicht wenigstens zwei sein, die sich ineinander verlieben?

    Besonders erschreckend ist, wenn mit Eigenschaften geworben wird, die selbstverständlich sein sollten.

    So die Werbung eines Telefonanbieters, dass man nur das bezahlen muss, was man auch nutzt,
    oder die Aussage, dass ein bestimmtes konzentriertes Spülmittel ergiebiger ist, als die gleiche Menge eines nicht konzentrierten.
    Was ist das für eine unseriöse Geschäftswelt, in der derartiges besonders und hervorhebenswert ist?

    Und zu guter Letzt gibt es noch Werbeversprechen, die mit dem Produkt nun wirklich gar nichts zu tun haben und schlicht freche Lügen sind.

    Wie jene Fußballerin, die angeblich nur deshalb genauso leistungsstark wie ihre männlichen Kollegen ist, weil sie die richtige Monatsbinde trägt,
    oder die Versicherung, die angeblich vorab verhindert, dass dem Versicherten irgendetwas passiert…
    Also bitte! Veralbern kann ich mich alleine!

    Für wie doof halten diese Firmen ihre Kunden eigentlich?

    Der Kunde ist König? Nein, wohl eher der Hofnarr.

    Die Liste der Waren und Dienstleistungen, die ich nie kaufen würde, wächst mit jedem Werbeblock.
    Zum Glück gibt es positive Beispiele,
    die echte, sinnvolle Alleinstellungsmerkmale von Dingen aufzeigen,
    die humorvoll sind,
    oder die das eigene Geschäftsmotto zum Inhalt haben.
    Leider viel zu wenige.

Um den Kreis zu schließen: Geschäftsethik bedeutet für mich

  • Dinge zu produzieren und/oder zu vertreiben, die man selbst auch guten Gewissens nutzen würde;

  • Kunden und Mitarbeiter ebenso wie Geschäftspartner weder für dumm zu verkaufen, noch zu betrügen.

Medikamente, die nicht helfen,
Produkte, die die Umwelt schädigen,
das Erfinden von Krankheiten oder Lebensrisiken, um dann passende Medikamente oder ganze Produktpaletten in Massen in den Markt zu bringen…
Das ist nur die Spitze des Eisberges an Dingen, die wir uns gefallen lassen und an Lasten, die wir der Welt, uns und unseren Kindern und Enkeln aufbürden.

Ich hab Angst vor der Zukunft.
Die Gesellschaft wird immer kälter, trotz Klimaerwärmung.

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