Depression, medizinische Behandlung

Depression: Die Kur. Raus aus dem Alltag, sich selbst finden

-Alles dreht sich um mich! … Ja, wo gibt’s denn so was? –

MarbachklinikBadKissingen
Liegt sie nicht traumhaft? Die Marbachtalklinik

Meine medizinische Rehabilitation fand in der Marbachtalklinik in Bad Kissingen statt.
Im Folgenden werde ich von Kur oder Reha sprechen, das schreibt sich schneller und ich weiß auch ehrlich nicht, woher die Tendenz kommt, alles immer hochgestochener zu benennen. Letztlich kommt es doch auf die Inhalte an und weniger auf den Titel.

Den Antrag auszufüllen braucht Geduld

Nachdem absehbar war, dass es mir nicht gelingen würde, einen Therapieplatz bei einem Psychotherapeuten zu ergattern, empfahl mir meine Neurologin beim Rentenversicherer einen Antrag auf eine >Kur< zu stellen und unterstützte mich dabei auch durch ein entsprechendes Gutachten.
Der Antrag war vom Inhalt her eine halbe Doktorarbeit.
Es braucht Unterlagen von Ärzten, Krankenkasse, (Ex-)Arbeitgeber …
Was hab ich geflucht, ob des bürokratischen Aufwandes und der verquasten Formulierungen, die auf Anhieb wohl nur ein Beamter versteht!
Aber es hat sich gelohnt, da die Kur relativ schnell bewilligt wurde.
Auch der Rentenversicherer kennt die prekäre Lage bei der Therapeutensuche.

5 Wochen Reha in Bad Kissingen,
das klang ziemlich lang, aber nach den 5 Wochen hätte ich am liebsten gleich noch mal verlängert.

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Blick auf meinen Balkon und hinaus über Bad Kissingen

Alles in Allem hatte ich auch hier, wie schon sehr oft in meinem Leben, viel Glück.
Ende März/Anfang April 2017 war das Wetter prima.
Mein Zimmer lag relativ weit oben, war sonnig, mit Balkon und weitem Blick  übers Tal.

Die Stationsschwester und die Stationsärztin waren Spitze. Das Personal der Klinik durchweg freundlich und gut drauf. Das Arbeitsklima da schien zu passen.
Diese gute Laune begann abzufärben.
Zum ersten Mal erlebte ich Psychotherapie, sowohl in Einzelsitzungen als auch in der Gruppe mit einer großartigen Psychologin.
Diese Sitzungen haben mir unglaublich viel gegeben. Das Gefühl, verstanden zu sein und unbeurteilt so sein zu dürfen, wie ich bin, und die Denkanstöße aus den Gesprächen haben mich weiter gebracht.
Darüber hinaus gab es ein großes Angebot an

  • Entspannungsübungen (also autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Atemübungen …),
  • Sport (obligatorisch war Morgensport,
    darüber hinaus gab’s Aquafit, Nordic Walking, Aerobic bzw. Jazzdance
    und die üblichen Fitnessgeräte),
  • Ergotherapie (Malen, Basteln, Musik, Körperwahrnehmung, Kommunikationsübungen)
  • und dann noch die „Wohlfühleinheiten“ wie Massagen und Fango.

Gemeinsam mit der Stationsärztin und der Psychologin wurde auf Basis meiner Bedürfnisse ein Wochenprogramm zusammen gestellt.

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Sonnenaufgang – der Morgensport ruft!

Der Wochenplan: Wenn nur der Morgensport nicht wäre…

Es gab so ein paar Eckpunkte, wie den Morgensport, die obligatorisch waren (7 Uhr vor dem ersten Kaffee!!!! Das kostet Überwindung.)
und ein paar Vorträge, die, vom Rentenversicherer vorgegeben, jeder abbekommt, wie ein Vortrag über gesunde Ernährung und ein Seminar zur Stressbewältigung,
außerdem 2x pro Woche Gruppentherapie und einmal Einzeltherapie.
Der Rest war wählbar.
Ich ließ mir die Woche bewusst ordentlich voll packen.

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mein Therapieplan der 3.Woche

Erstens wollte ich ganz viele Sachen einfach mal an einem Ort ausprobieren, wo mich keiner kennt, ich mich also auch nicht dauerhaft „zum Larry“ machen konnte, wenn ich mich ungeschickt anstellte.(z.B. Trommeln und Tanz Dich Fit)

Zweitens wollte ich möglichst wenig Zeit für Heimweh und zum Grübeln haben.

Drittens schließlich, war da mein Ehrgeiz, schnell wieder auf die Beine zu kommen.

Ich? Im Mittelpunkt? Nanu, wie bin ich denn da hingekommen?

Es war großartig! Das erste Mal im Leben ging es mal ausschließlich um mich, meine Bedürfnisse, mein Wohlbefinden.
Ja, ich weiß: Das klingt pathetisch und so, als ob ich im Leben immer zu kurz gekommen wäre.-
Das bin ich irgend wie auch.
ABER Auslöser dafür waren nicht ursächlich „die Anderen“ , sondern ich selbst.
Wenn einer sich freiwillig immer zurücknimmt,
wird die Umwelt das irgendwann auch von ihm erwarten.

Freizeitgestaltung

Die Freizeit konnte man gut nutzen im Schwimmbad, an den Fitnessgeräten, auf der Kegelbahn, beim Billard usw.
Einmal in der Woche gab’s Kino.
Jeden Abend konnte man in die Kreativwerkstatt gehen, wo es wirklich ein riesiges Angebot von Töpfern über Filzen, Malen, Speckstein schleifen, bis zu Seidenmalerei und jeglichen Hand- und  Flechtarbeiten gab.
Die Fitnessgeräte standen jederzeit zur Verfügung.
Und dann war da ja noch die grandiose Umgebung, nicht umsonst war Bad Kissingen eins der ersten Kurbäder überhaupt – Bismarck sei dank.
Es gab auch externe Angebote für die Abende und Busausflüge am Wochenende.

Zeit sich zu besinnen, die nächsten Schritte zu planen

Die Zeit in der Klinik hat natürlich mit deinem normalen Leben nix zu tun.
Du bist da in einer geschützten Blase, fernab aller Problem deines Alltags.
Aber genau das habe ich gebraucht, um mich auf mich besinnen zu können.
Es gab Mitpatienten, die sind jedes Wochenende heim gefahren oder bekamen Besuch, weil sie es alleine nicht aushielten. Jeder ist halt anders.
Ich habe alle meine Leute gebeten, mich NICHT zu besuchen.
Nicht alle haben das verstanden. Doch ich habe mein schlechtes Gewissen, ob dieser vermeintlichen Unfreundlichkeit unterdrückt.
Es ist zulässig, auch mal egoistisch zu sein!


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