Gedankensplitter

21. Januar 2019 – Trau, schau wem ..

Am Samstag haben wir uns ein Programm von Ingo Oschmann angesehen. Neben der Erkenntnis, dass wir alle nicht jünger werden (*g*) war das ein sehr unterhaltsamer, kurzweiliger Abend.

Ich entdeckte einige Gemeinsamkeiten, wie beim Nachsinnen über den Charme der Unvollkommenheit. Am Beispiel des Knisterns von Schallplatten. Ich hab mir übrigens letzte Woche auch einen neuen Plattenspieler zugelegt und die alten Platten aus dem Keller geholt.
Du kannst das als Alterserscheinung abtun: „Jaja, die Alten mit ihrem: ‚Früher war alles besser!‘, kenn ich…“; mit den Achseln zucken und zur Tagesordnung übergehen, oder halt mal mit mir gemeinsam einem Moment drüber nachdenken.
Unsere heutige Welt eifert mit aller Macht nach Perfektion in allen Lebenslagen. Das ist an sich kein Drama, jeder braucht Ziele – und glaub mir: Ich weiß das gut, denn mir fehlen sie derzeit! – aber:

„Wer definiert die Ziele?“ und „Wo bleibt die Freude am Erworbenen, wenn man jederzeit und überall, alles haben kann?“

Ich muss voran schicken: Ich bin selbst Informatikerin…Ich kenne uns Nerds also ganz gut. Wir sind oftmals Leute, die (in verschiedenen Abstufungen) andere Menschen anstrengend und deren Emotionen unverständlich, weil nicht logisch und vorhersehbar, finden. Wir hätten gern alles schön durchdacht, sortiert, geplant…Nullen und Einsen halt und das bitte nach klaren Regeln. In jeder Vorabendkrimiserie, die etwas auf sich hält, gibt es einen oder eine von uns: Sehr intelligent, aber mit den sozialen Kompetenzen hapert es. Anders halt.

Was kommt nun dabei heraus, wenn wir Nerds die Ziele definieren, zu denen hin sich die menschliche Gesellschaft entwickelt?
Richtig: Nullen und Einsen!

Der Mensch wird aus dem Tagesablauf herausoptimiert, da wir mit Technik nun mal besser zurecht kommen. So sorgen wir dafür, dass wir uns im täglichen Leben komplett mit Technik umgeben können.
Natürlich ist J.A.R.V.I.S., der Roboter von Iron Man cool, keine Frage, so einen hätte ich auch gern. Und natürlich ist das auch hilfreich. Die Dosis macht das Gift!
Wir reden schließlich von der menschlichen Gesellschaft. Da gehören doch auch zwischenmenschliche Beziehungen und eben soziale Kompetenzen für den direkten Kontakt dazu, oder? Die scheinen mir aber nach und nach wegoptimiert zu werden. Selbst unsere Erholungszeiten und Freizeitaktivitäten werden nach Kosten und Nutzen optimiert und Leistungszwängen unterworfen.

Schneller, technischer, autarker, wohin man schaut.

Einfach mal was ausprobieren? Nein, da gibt’s doch bestimmt auch ’ne App für, die mir aufzeigt, wie ich es richtig mache…Selber tüfteln? Fehlanzeige. Gehirn ist aus.
Wie vertreibt man sich die Zeit bei Auto Fahren? Kennzeichen raten? Landschaft angucken? Ich sehe was, was du nicht siehst? Nö, schon lange nicht mehr. Jeder guckt auf sein Smartphone. Wie in Ocean’s Eleven, als der IT-ler sich die Sprengung das Hotels im Fernsehen anschaut. Er hätte sich auch einfach umdrehen und aus dem Fenster gucken können…
Wie geht es weiter mit uns, wenn wir nicht mehr miteinander reden (so richtig von Angesicht zu Angesicht), nicht mehr lustvoll darüber diskutieren können, ob das Kennzeichen nun zu Madrid oder Marbella gehört? Und das Thema Streitkultur will ich hier gar nicht anfangen…

Spaß am Unwissen, Freude am Erforschen, gemeinsam lachen… bitte lass uns diese Werte nicht aus den Augen verlieren.

Wenn dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, wird jedes Problem zum Nagel! Wenn wir reiner Logik unsere komplette Lebensgestaltung überlassen, dann wird unser Leben zwar komplett plan- und überschaubar, aber eben auch kalt, einsam und langweilig. Darum: Trau, schau wem…

Danke an Ingo Oschmann, für den Gedankenanstoß. Und danke an meinen Mann, der mir die Eintrittskarten geschenkt hat.

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