Gedankensplitter, Gedichte

18. Juni 2022 – Stumpfsinn am Steuer

Der Titel sagt eigentlich alles.
Das folgende Liedchen auf die Melodie von „Der Kuckuck und der Esel“ entstand während einer langweiligen Autobahnfahrt auf der A7 als Stauablenkung.
(Inklusive der zu singenden Silbenwiederholungen 😉)


Vielleicht entlockt es dir ein Lächeln. Das wäre prima.

Cortana und die Siri
die hatten einen Streit
We-her wohl am besten fände
We-her wohl am besten fände
’nen Link in kurzer Zei-hei-heit,
’nen Link in kurzer Zeit.

Cortana sprach: „Das kann ich.
Sag an, was soll es sein“.
„I-ich aber bin viel schneller,
i-ich aber bin viel schneller“
mischt sich die Siri ei-hei-hein,
mischt sich die Siri ein.

De-hen Streit musst‘ ich vertagen.
Weil: ein Netz hatt‘ ich grad nicht.
Wi-hill mich nicht weiter plagen,
Werde wohl wann anders fragen.
Denn offline geht das ni-hi-hicht.
Nein offline geht das nicht.

Roadrunner -Wegekuckuck: Photo by Pixabay on Pexels.com
Gedankensplitter

26.Februar 2022 – und manche sind gleicher

Ein ausgesprochen beeindruckender Film fällt mir in letzter Zeit immer wieder ein:
„Die Jury“ von 1989 nach dem gleichnamigen Roman von John Grisham, mit Matthew McConaughey, Sandra Bullock und Samuel L. Jackson in den Hauptrollen.
Für alle, die die Geschichte nicht kennen: Nachdem seine zehnjährige (schwarze) Tochter von zwei betrunkenen Weißen brutal vergewaltigt worden ist, greift der Vater (Samuel L. Jackson) in Zweifel am amerikanischen Rechtssystem zur Selbstjustiz, tötet die beiden Täter und verletzt dabei auch einen Polizisten schwer. Daraufhin droht ihm die Todesstrafe. Der junge Anwalt Jake Tyler Brigance (Matthew McConaughey) übernimmt die Verteidigung.

Der Film ist insgesamt unbedingt sehenswert, aber die für mich wichtigste Szene ist das Schlussplädoyer des Verteidigers.
Er bittet die (durchweg weiße) Jury, die sich intern schon längst auf die Todesstrafe für seinen schwarzen Mandanten geeinigt hatte, die Augen zu schließen und einer Geschichte zuzuhören.
In allen Einzelheiten schildert er nun eindringlich die Vergewaltigung des Kindes und endet mit dem Satz
„Und nun stellen sie sich vor, sie „(das Mädchen) „sei weiß.“

Dieser Satz hat mich frontal getroffen.
Wie soll es Gerechtigkeit und Gemeinschaftssinn geben, solange man sich an Unterschieden zwischen Menschen festhält und aufgrund derer ihre Bedeutung oder gar ihren Wert definiert?
In diesem Zusammenhang scheint mir der Trend, jeden denkbaren Unterschied, jedes potenzielle Alleinstellungsmerkmal in den Vordergrund zu stellen und beachten zu wollen, falsch zu sein.
Sollte es in einer funktionierenden Gemeinschaft nicht vielmehr komplett egal sein, wie einer tickt oder aussieht; ebenso, wie es m.E. die Öffentlichkeit nichts anzugehen hat, wer wen wie liebt (solange alle Beteiligten freiwillig und gern dabei sind)?
Ist es nicht wichtiger, sich gemäß seiner Fähigkeiten einbringen zu können, damit alle profitieren?

Das Motto der Französischen Revolution brachte es doch auf den Punkt, oder?
Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit.
Und ja! Damit sind für mich einfach ALLE Menschen gemeint, Männlein, Weiblein und alle anderen, Junge wie Alte und so weiter, auch ohne, dass ich jeden einzeln aufzählen muss! Justitia ist nicht ohne Grund blind.

Die Justitia auf der Rathaustreppe in Görlitz – Foto von Frank Vincentz
Gedankensplitter

Weihnachts(alb)traum

Vorab (statt einer Triggerwarnung):
Das Folgende ist eine Glosse und es geht im weitesten Sinne um Nachhaltigkeit.
Ich hoffe zumindest einigen von euch mitten im Weihnachtsstress ein Schmunzeln entlocken zu können.


Der 24. Dezember

Während Muttern gemeinsam mit ihren beiden Großen in der Küche Braten, Rotkohl und Bratäpfel für die Feiertage sowie den Kartoffelsalat für das heilige Abendessen vorbereitet, hält Vater die aufgedrehten Jüngsten mit gemeinsamem Christbaumschmücken bei Laune.
Es geht ganz harmlos los mit Lichterketten, die der Papa höchstpersönlich gleichmäßig im Geäst verteilt und über die große Verteilerbox an die Steckdose anschließt.
Kerzen wären zwar heimeliger, aber die Kombination aus Kindern, Katzen und brennenden Kerzen am Baum ist einfach zu gefährlich.
Als Nächstes bestücken die Kleinen sämtliche Zweige mit allem, was der jahrelang gesammelte Vorrat an Weihnachtsschmuck so hergibt. Hauptsache bunt und viel Glitzer. So wandern Kugeln, Zapfen, Engel und Girlanden in allen Größen, Formen und Farben in wilder Mischung an den Baum.
Ein goldfarbener Stern wird auf die schmählich gekappte Spitze gestülpt.
Anschließend verteilt Vater den Inhalt mehrerer Dosen Kunstschnee mit Tannenduft dick auf den Zweigen.
In ehrendem Gedenken an Luigi Maria la Metta, den Paten von Bethlehem, werden am Schluss auch noch pfundweise silbern glänzende Aluminium-Tagliolini über die vormals grünen Zweige geworfen.
Fertig.
Nun kann Weihnachten losgehen …
Der arme Baum wird sich in seiner Qual letztlich nicht anders zu helfen wissen, als beschämt schnellstmöglich sämtliche Nadeln zu werfen, um so seinem Elend bald zu entkommen.
Noch Monate lang werden überall in der Wohnung Tannennadeln auftauchen, die an das traurige Ende des Weihnachtsbaumes erinnern.
Als Konsequenz beschließt der Familienrat, zum kommenden Fest einen Kunstbaum anzuschaffen. Der nadelt nicht und erfüllt den Zweck als bloßer Dekorationshalter genauso gut.
Und wie wäre das Fazit von Opa Hoppenstedt?
Ach ja! : „Früher war mehr Lametta!“


Warum nicht zum Beispiel einen Weihnachtsbaum aus Büchern?

Bildquelle Bayrischer Rundfunk s. https://www.br.de/puls/themen/leben/5-weihnachtsbaum-alternativen-100.html
ABC-Etüden, Gedankensplitter

ABC-Etüde KW 18 + 19 / 2021 – Jedem seine Fasson

Die aktuelle Schreibeinladung von Christiane kommt mit den schönen Worten
– Korsett – rechtsdrehend – dampfen –
einher. Danke an Nina für die Wortspende.


Jedem seine Fasson

Bodyshaping statt Bodyshaming oder wie es auf deutsch heißen könnte: „Fühlst du dich fett, greif zum Korsett“.
Es gelingt hiermit, sich einem Wunschbild zu nähern, ohne Sport und ohne aufs Essen verzichten zu müssen oder sich gar durch irgendwelche irren Diäten mit rechts-, links- oder auch gar nicht drehenden Lebensmitteln zu quälen, frei nach dem Motto: ‚Schlank durch Mangelernährung‘. (Jojo-Effekt inbegriffen)

Korsettnutzung ist nicht ausschließlich den Frauen vorbehalten.
Schon George IV, seines Zeichens König von Großbritannien, Irland und Hannover, versuchte, seinen durch Völlerei ausufernden Körper durch eine straffe Konstruktion aus Fischbein in Form zu zwingen.
Dem Vernehmen nach war der König zu hören, lange bevor er zu sehen war, weil das Korsett knarrende Geräusche von sich gab. Bewegen oder gar bücken konnte er sich wohl nicht. Aber wozu ist man König? Dafür gibts schließlich Personal.
Auch Götz George war angeblich Korsett-Träger. Liegt das vielleicht am Namen?

In den 68ern verteufelt, von Ärzten als schwer gesundheitsschädigend eingestuft, ist das Korsett einfach nicht totzukriegen. Glücklicherweise sind die heutigen Korsagen zumindest geräuschlos.
Und ja, gerade ein nicht ganz so üppig balkonierter Frauenkörper gewinnt durch das Verschieben der Pölsterchen durchaus an Struktur.

„Schönheit kommt von innen“?
Das mag sein, aber bis sich meine guten Eigenschaften endlich nach außen rumgesprochen haben, kann ich doch der Optik gelegentlich auf die Sprünge helfen, oder?
Zur Dauernutzung wäre das eh nichts für mich.
Heiße Sommertage und Korsett? Da dampft mir allein bei dem Gedanken schon der Schweiß aus allen Poren.
Auch liebe ich meine Bewegungsfreiheit. Muss ich mir doch mangels Personal leider immer noch selbst die Schuhe anziehen und zubinden. Ebenso das tiefe Durchatmenkönnen schätze ich sehr.

So bleibt mir auf Dauer nur der unbequeme Weg über Sport und FdH, wenn ich mich figürlich optimieren will. Oder ich akzeptiere mich einfach mal so, wie ich bin.


– 298 Wörter –


Gedankensplitter, Lesen

5.Februar 2021 – Glücklich durch ein Buch spaziert

Eine besondere, schöne Entdeckung mit anderen zu teilen, das kann grandios in die Hose gehen oder eben auch bei dem einen oder der anderen ein ähnliches Glücksgefühl entstehen lassen, wie bei dir selbst.
Alles ist möglich.

Auf der rastlosen, immerwährenden Suche nach neuem Lesestoff begegnete ich vorgestern einem im November 2020 bei Piper erschienenen Buch von Carsten Henn.
Der Titel „Der Buchspazierer“ war es, der mich innehalten und schauen ließ, was sich dahinter wohl verbergen mochte. Ich habe dieses Verweilen nicht bereut.

Ich traf auf die anrührende Geschichte des Buchhändlers Carl Kollhoff, eines (leider!) aus der Zeit gefallenen Bücherwurms, eines Menschenfreundes und Menschenkenners.
Längst ist er Rentner. Aber pünktlich jeden Montag bis Freitag Abend holt er aus der Buchhandlung vorbestellte Bücher, verpackt sie sorgfältig und trägt sie in seinem alten Rucksack kreuz und quer durch die Stadt zu seinen Stammkunden nach Hause.

Seine junge Chefin dagegen, randvoll mit neuen Ideen, wie Buchhandel heute zu funktionieren hat, möchte ihn gern loswerden. Sie sieht in ihm einen Anachronismus.

Und dann ist da noch Schascha, eine kluge, beharrliche, eigensinnige Neunjährige, ein dunkelgelockter kleiner Sturkopf. Eines Abends gesellt sie sich zu ihm, begleitet ihn fortan auf seinen Runden.
Gemeinsam mit den beiden besuchte ich die Stammkunden, denen Kollhoff Spitznamen gegeben hat, die Romanen entstammen.
Ich erkannte nach und nach ihre Eigenheiten und Schicksale und wie sich all das auf die Wahl ihres Lesestoffes auswirkt. Und wie umgekehrt ebendieser Lesestoff ihre Art, das Leben anzugehen, beeinflusst.
Es ist ein liebevolles Buch über Bücher und die Macht des Wortes,
ein Buch über Leser und Bücherfreunde.
Es ließ mich nachdenken über Menschlichkeit, Herzensbildung und den Wandel menschlicher Werte.
Es hat mein Herz erwärmt und mich mit einem Tränchen im Auge zurückgelassen.
Felicitas von Lovenberg formulierte es so: „‚Der Buchspazierer‘ ist die Umarmung, die man in diesen Zeiten braucht…“

Unbedingt lesen.

Hier noch ein Link zu Facebook. Der Autor stellt in diesem halbstündigen Video sein Buch selbst vor: https://www.facebook.com/piper.verlag/videos/772126796671544/

NB: Der Autor hat zwei Katzen. 😻