ABC-Etüden, Gedankensplitter

ABC-Etüde KW 18 + 19 / 2021 – Jedem seine Fasson

Die aktuelle Schreibeinladung von Christiane kommt mit den schönen Worten
– Korsett – rechtsdrehend – dampfen –
einher. Danke an Nina für die Wortspende.


Jedem seine Fasson

Bodyshaping statt Bodyshaming oder wie es auf deutsch heißen könnte: „Fühlst du dich fett, greif zum Korsett“.
Es gelingt hiermit, sich einem Wunschbild zu nähern, ohne Sport und ohne aufs Essen verzichten zu müssen oder sich gar durch irgendwelche irren Diäten mit rechts-, links- oder auch gar nicht drehenden Lebensmitteln zu quälen, frei nach dem Motto: ‚Schlank durch Mangelernährung‘. (Jojo-Effekt inbegriffen)

Korsettnutzung ist nicht ausschließlich den Frauen vorbehalten.
Schon George IV, seines Zeichens König von Großbritannien, Irland und Hannover, versuchte, seinen durch Völlerei ausufernden Körper durch eine straffe Konstruktion aus Fischbein in Form zu zwingen.
Dem Vernehmen nach war der König zu hören, lange bevor er zu sehen war, weil das Korsett knarrende Geräusche von sich gab. Bewegen oder gar bücken konnte er sich wohl nicht. Aber wozu ist man König? Dafür gibts schließlich Personal.
Auch Götz George war angeblich Korsett-Träger. Liegt das vielleicht am Namen?

In den 68ern verteufelt, von Ärzten als schwer gesundheitsschädigend eingestuft, ist das Korsett einfach nicht totzukriegen. Glücklicherweise sind die heutigen Korsagen zumindest geräuschlos.
Und ja, gerade ein nicht ganz so üppig balkonierter Frauenkörper gewinnt durch das Verschieben der Pölsterchen durchaus an Struktur.

„Schönheit kommt von innen“?
Das mag sein, aber bis sich meine guten Eigenschaften endlich nach außen rumgesprochen haben, kann ich doch der Optik gelegentlich auf die Sprünge helfen, oder?
Zur Dauernutzung wäre das eh nichts für mich.
Heiße Sommertage und Korsett? Da dampft mir allein bei dem Gedanken schon der Schweiß aus allen Poren.
Auch liebe ich meine Bewegungsfreiheit. Muss ich mir doch mangels Personal leider immer noch selbst die Schuhe anziehen und zubinden. Ebenso das tiefe Durchatmenkönnen schätze ich sehr.

So bleibt mir auf Dauer nur der unbequeme Weg über Sport und FdH, wenn ich mich figürlich optimieren will. Oder ich akzeptiere mich einfach mal so, wie ich bin.


– 298 Wörter –


Gedankensplitter, Lesen

5.Februar 2021 – Glücklich durch ein Buch spaziert

Eine besondere, schöne Entdeckung mit anderen zu teilen, das kann grandios in die Hose gehen oder eben auch bei dem einen oder der anderen ein ähnliches Glücksgefühl entstehen lassen, wie bei dir selbst.
Alles ist möglich.

Auf der rastlosen, immerwährenden Suche nach neuem Lesestoff begegnete ich vorgestern einem im November 2020 bei Piper erschienenen Buch von Carsten Henn.
Der Titel „Der Buchspazierer“ war es, der mich innehalten und schauen ließ, was sich dahinter wohl verbergen mochte. Ich habe dieses Verweilen nicht bereut.

Ich traf auf die anrührende Geschichte des Buchhändlers Carl Kollhoff, eines (leider!) aus der Zeit gefallenen Bücherwurms, eines Menschenfreundes und Menschenkenners.
Längst ist er Rentner. Aber pünktlich jeden Montag bis Freitag Abend holt er aus der Buchhandlung vorbestellte Bücher, verpackt sie sorgfältig und trägt sie in seinem alten Rucksack kreuz und quer durch die Stadt zu seinen Stammkunden nach Hause.

Seine junge Chefin dagegen, randvoll mit neuen Ideen, wie Buchhandel heute zu funktionieren hat, möchte ihn gern loswerden. Sie sieht in ihm einen Anachronismus.

Und dann ist da noch Schascha, eine kluge, beharrliche, eigensinnige Neunjährige, ein dunkelgelockter kleiner Sturkopf. Eines Abends gesellt sie sich zu ihm, begleitet ihn fortan auf seinen Runden.
Gemeinsam mit den beiden besuchte ich die Stammkunden, denen Kollhoff Spitznamen gegeben hat, die Romanen entstammen.
Ich erkannte nach und nach ihre Eigenheiten und Schicksale und wie sich all das auf die Wahl ihres Lesestoffes auswirkt. Und wie umgekehrt ebendieser Lesestoff ihre Art, das Leben anzugehen, beeinflusst.
Es ist ein liebevolles Buch über Bücher und die Macht des Wortes,
ein Buch über Leser und Bücherfreunde.
Es ließ mich nachdenken über Menschlichkeit, Herzensbildung und den Wandel menschlicher Werte.
Es hat mein Herz erwärmt und mich mit einem Tränchen im Auge zurückgelassen.
Felicitas von Lovenberg formulierte es so: „‚Der Buchspazierer‘ ist die Umarmung, die man in diesen Zeiten braucht…“

Unbedingt lesen.

Hier noch ein Link zu Facebook. Der Autor stellt in diesem halbstündigen Video sein Buch selbst vor: https://www.facebook.com/piper.verlag/videos/772126796671544/

NB: Der Autor hat zwei Katzen. 😻

Gedankensplitter, Gedichte

4. Januar 2021 – Kopfstand

Das Folgende war ein „Spontanausbruch“ beim Anschauen der vier Januar-Bilder für Myriades Impulswerkstatt.

Bei diesem Foto erinnerte ich mich gleich an eines, das ich vor Jahren in Erfurt gemacht habe.
Darin spiegelt sich der Dom in einer großen Pfütze und es sieht aus, als stünde er Kopf. (Ich muss glatt mal suchen, ob es dieses Bild noch gibt.)
Dies war der Auslöser, auch das Impulsbild probehalber mal um 180° zu drehen.
Heraus kam ein „lebender Bau“.

Es flimmert und flirrt,
es verschwimmt und verwirrt,
hier ein Zick und da ein Zack.
So ein schöner Schabernack,
wie die Strenge hier verschwindet,
neue Form das Ganze findet.
Zuvor nur eckig und grau in grau
wirkt plötzlich lebendig der triste Bau.

Die Möwe, kopfüber, kühl und gelassen:
„Oh diese Menschen, es ist nicht zu fassen.“.
Dass sie noch immer da sitzt, wird wohl daran liegen:
Sie hat es nicht eilig, kann ja jederzeit fliegen.

Gedankensplitter

11. Dezember 2020 – New Pigs on the Blog: Gedankenschnipsel und Wortspielereien

Das Jahr neigt sich dem Ende zu.
Es hat sich in meiner Ideenkladde allerhand angesammelt, das mir irgendwie zu schade für die Rundablage „P“, aber dennoch nicht in einem Text untergekommen ist.
Vielleicht ist es zumindest geeignet, den einen oder die andere in der allgemeinen Covid-Tristesse aufzuheitern.
Hab ich übrigens schon mal erzählt, dass es in meiner Grundschulklasse eine Mitschülerin gab, die Corona hieß?
Ich weiß nicht, wohin es sie verschlagen hat, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie es derzeit nicht wirklich leicht hat und ggf. ernsthaft über eine Vornamensänderung nachdenkt.
Jedenfalls spreche ich aus Solidarität mit allen Coronas oder Koronen (?) dieser Erde, lieber von covid, wenn sich dieses Stimmungskillerthema denn gar nicht vermeiden lässt.

Aber hier nun mein angekündigtes Sammelsurium.

ÜBERRASCHENDES

Ich schreibe ein Gedicht und suche ein Synomym für „Fremdgehen„.
Meine  Idee: Nebengleisverkehr.
Das Gedicht ist übrigens trotzdem nichts geworden. War mir zu negativ.

Dazu passt dann aber auch das nächste:

ABKÜRZUNG AUFGELÖST

EHE – errae humanum est

Ja, ich weiß, das ist nicht neu, muss aber ab und zu mal gesagt werden.
Ich sag nur : „Hochzeit auf den ersten Blick“ … Nö, ne? Sich drüber aufregen, wenn anderswo Eltern ihre Kinder an mehr oder weniger Unbekannte pekuniär vorteilhaft verheiraten, aber das geht? Unterhaltungsfernsehen darf alles …

AUF DIE BETONUNG KOMMT ES AN

Das Klugscheißerchen auf meiner Schulter meldete sich hierbei zu Wort und wollte unbedingt auch was beitragen. Ich mag da nicht streiten, also bitteschön:

Bildungsfernsehen – bildungsfern sehen

Ein Knaller, oder? – „Aua! Du sollst mich nicht immer hauen! Sonst gucken wir nie wieder die Rosenheimcops!“

WORTSCHÖPFUNGEN

hämofaktisch

Das ist ein echtes „Familienwort“. Mein Vater gebrauchte es immer, um auszudrücken, dass etwas nix taugt und nur zusammengepfuscht wurde.

GEFLÜGELTE WORTE AUCH HÜBSCH

alles hysterisch gewachsen

Wie wahr, wie wahr. Mir fallen da allerhand Beispiele ein …

MEIN DEUTSCHES LIEBLINGSWORT

Das ist eine nette Rubrik, die es bei Radio Hamburg gibt, wenn sich, um die Vielfalt der Hansestadt aufzuzeigen, ausländische Mitbürger in einem kleinen Werbespot vorstellen.
Finde ich eine schöne Idee. (Sowohl die Werbespots, als auch diese Frage.)

Gartenschnirkelschnecke

Nach diesem Outing schwieg übrigens Paula, meine „Fledermuse“, beleidigt. Sie hatte hier wohl ganz klar „Mopsfledermaus“ erwartet. Mit ein wenig Orangenblütenwasser konnte ich sie besänftigen. Puh, noch mal gut gegangen.

„TIEFSINNIGES“

Hah, zum Schluss kommt der Philosoph in mir auch mal zu Wort.
Und ich sach noch: kein Ponyhof, kein Wunschkonzert, keine gemütliche Wattewolke, sondern es ist einfach so, wie es ist.

Du kannst mehr, als du glaubst. 
Aber es bringt weniger, als du erhoffst.

In diesem Sinne … genug für heute. Bleibt gesund und lasst euch nicht hängen, das können die Fledermäuse eh besser. „Stimmts Paula?“
„Paula?“
Ein Scheppern in der Küche. Ich glaub das war das Orangenblütenwasser.
Verflixt. Was hab ich mir mit dieser Fledermaus nur eingebrockt?
Warum unter allen unmöglichen Dingen, schickt mir das Universum eine orangeblütenwassersüchtige Fledermaus als Muse?
Das Universum schweigt. Wie immer.
Nun, dann geh ich mal schauen, ob erste Hilfe Not tut.

 

Depression, Gedankensplitter

15.Oktober 2020 – Standortbestimmung

Da habe ich gestern meine Impressionen einer kurzen, sonntäglichen Autofahrt von nur einer Stunde beschrieben. Von einer Stunde der bewussten, ungehetzten Wahrnehmung.
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Warum eigentlich?

Ich kann nicht immer nur darauf schauen, was schief läuft, was schrecklich ist, wo eingegriffen, wogegen gekämpft werden muss, so wie mit Scheuklappen, die alles Störende ausblenden. Das zehrt mich aus.

Wir kämpfen unser Leben lang GEGEN so vieles: Weltwichtige Dinge, privatwichtige Dinge, Dinge, die einer dringenden Änderung bedürfen, die nach uns, unserer Aufmerksamkeit, unserer Kraft, unserer Hilfe rufen.

Innehalten, mich umschauen, Schönes ansehen und mich daran erfreuen, hilft mir, das WOHIN und WIE zu verstehen, zu definieren:
Woran werde ich mein Ziel erkennen, wenn ich angekommen bin?
Nach welchen Kriterien wähle ich meinen Weg?

Ich habe Angst um alles, was trotz allem schön und friedlich und JETZT ist, um das, woraus ich immer wieder Lebenskraft und Hoffnung ziehe.
Ich habe Angst, dass es rigoros hinweggefegt wird, dass am Ende alles nur anders, aber nicht besser sein wird.
Das ist es, warum ich versuche, schöne Momente festzuhalten.

Ich habe Angst, „Alles wird besser, aber nichts wird gut“.
Der Satz ist natürlich geklaut, hier ein YouTube-Link zu den Urhebern.

Silly – Alles wird besser …