ABC-Etüden, Abendseglergeschichten

ABC-Etüde KW 12+13 /2021 – Marketingidee

Ostern steht vor der Tür und darf nur mit Impf- oder wenigstens zweiwöchigem Quarantänenachweis rein.
Das sind schwere Zeiten für Osterhasen und solche, die es werden wollen.
Was gibt es Schöneres, als wenigstens die Fantasie unbegrenzt auf Reisen zu schicken?
Dazu lud Christiane wieder ein, unterstützt diesmal durch die Wortspende von Puzzleblume:

Dackelfalten – fruchtig – scheppern.

Danke dafür euch beiden.

Warum ich Dackelfalten mit Nicolas Cage assoziiere?
Der Begriff ‚Dackelfalten‘ ist für mich ein Synonym für Besorgnis und Traurigkeit.
Nicolas Cages introvertierte, leicht melancholische Ausstrahlung in Kombination mit der Stimme des deutschen Synchronsprechers (Martin Keßler) ist für mich gewissermaßen die Personifizierung von Dackelfalten.
Zudem war es Zeit, mal wieder im Mysterienmuseum vorbeizuschauen.
Und siehe da, wir platzen mitten in eine Aufsichtsratssitzung und in die Vorstellung einer

Marketingidee

„Gestern hatte ich einen Termin mit Nicolas Cage. Er möchte gern für seinen neuesten Fantasyfilm echte Artefakte aus unserem Museum als Requisiten nutzen.“
Valentina Mayer-Schlüterblitz schaut fragend in die Runde, bestehend aus den wichtigsten Aufsichtsratsmitgliedern, der Sicherheitschefin, dem Museumsdirektor und seinem Adlatus Keyser. Sie blickt in eine Mischung verschiedener Pokerfaces.
„Eine Nennung mit Dank im Abspann ist eine gute Werbemaßnahme.
Ich kann mir vorstellen, dass andere Aufträge dieser Art folgen. Dass wir uns derzeit mit Einnahmen aus unserem Onlineshop nur mit Mühe über Wasser halten, muss ich ihnen ja nicht sagen.“, unterstützt sie der Prokurist.
„Natürlich können wir gerade jetzt jede Einnahme und Werbung brauchen. Die Idee ist reizvoll“, der Direktor wirkt unentschlossen.
„Das klingt gut, aber können wir das verantworten?“, kommt es skeptisch von der Sicherheitschefin.
„Die Produktionsfirma ist umfassend versichert. Die Entscheidung, welche Stücke wir verleihen, liegt ganz bei uns. Es soll eine Art Zauberladen eingerichtet werden. Die uns angebotene Mietgebühr ist beeindruckend.“
Alles schauen vor sich hin, niemand will die Entscheidung anstoßen.
Es scheppert. Danach ertönt Torjubel aus Richtung Papierkorb. Alle schrecken auf.
„Getroffen“, Keyser reckt die Faust, sieht sich dann betreten um, “ `tschuldigung“.
„Nachdem nun mein Assistent bewiesen hat, dass er mit Papierkugeln den Abfalleimer trifft, sind augenscheinlich wieder alle wach.“, der Direktor erhebt sich.
„Ich sehe, dass wir derzeit zu keiner Entscheidung kommen. Frau Mayer-Schlüterblitz, bitte legen sie mir den vorläufigen Vertragsentwurf auf den Schreibtisch. In kleiner Runde“, er schaut Sicherheitschefin, Hausjuristen und Marketingfrau der Reihe nach an, die alle drei nicken, „werden wir morgen einen Vorschlag erstellen. Dann können wir übermorgen abstimmen.“ Er nickt der Runde zu und geht.
„Kaffee?“, Keyser hakt sich bei Valentina ein, „Mathilde kommt auch. Sie schwärmt von Nicolas und seinem traurigen Blick. Dackelfalten nennt sie es.“
„Ich weiß. Bin dabei. Aber kein Kaffee! Ich brauche einen fruchtigen Erdbeershake.“


Toooor! – genau 300 Wörter



PS: Das genannte Scheppern samt Torjubel vom Band, wenn eine Papierkugel ins Netz trifft, gibt’s bei uns im Büro gelegentlich, wenn einer der Kollegen Frustabbau betreibt.


Gedichte

7. März 2021 – Freundschaft

Dein Leben hat ein paar Krisengebiete.
Du kommst um eine Lösung zu mir.
Doch wär nicht deins, was ich dir riete,
dein Lebensweg gehört ausschließlich dir.

Zuflucht, dir zuhörn, im Arm dich zu halten,
das ist, was ich dir bieten kann.
Dein Leben für dich umzugestalten,
o nein, das maße ich mir nicht an.

Lass uns dein Selbstvertrauen wecken,
lehn dich an mich und hör in dich hinein
nimm dir die Zeit, dich wiederzuentdecken
wo willst du hin, wer wirst du sein.






ABC-Etüden, Abendseglergeschichten

ABC-Etüde KW 8+9 / 2021 – Zwei rechts, zwei links und fallenlassen

Das Jahr ist schon wieder zwei Monate alt.
Die Zeit rennt, auch wenn fast nichts passiert.
Glücklicherweise gibt es die Etüden, mit denen ich immer wieder der Langeweile entkomme.
Christianes aktuelle Schreibeinladung enthält die Wortspende von ‚Frau Flumsel‘ (Blog: wortgeflumselkritzelkram) Strickjacke, trügerisch und entdecken, die
wie immer in einem maximal 300 Worte umfassenden Text unterzubringen ist.

Zwei rechts, zwei links und fallenlassen

Vor ein paar Tagen flatterte Paula mal wieder bei mir rein und erwischte mich bei einem neuen Versuch, die Lockdown-Langeweile zu vertreiben.
„Was machst du denn da?“
„Ich stricke.“
„Muss das nicht heißen: ‚Ich spinne‘?“ Paula grinste über ihr ganzes freches Mopsfledermaus-Gesicht.
„Nein, muss es nicht, du Dornröschen“, flachste ich zurück.
Schweigend beäugte Paula eine Zeit lang meinen x-ten Versuch, gleichmäßige Maschen zu erzeugen.
Längst weiß ich, wie trügerisch diese lammfromme Miene ist, die sie da eben mal wieder zur Schau stellte. „Und was soll das werden?“
„Eine Strickjacke.“
„Für mich sieht es eher aus wie ein heilloses Gewurschtel. Das wird nie was.“
Hatte ich es doch geahnt.
„Paula, meine liebe Fledermaus-Muse, als Motivatorin bist du echt eine totale Fehlbesetzung.“
„Pah. Ich gehöre nun mal nicht zu den dauereuphorischen Chaka-du-schaffst-alles-was-du-nur-willst-Typen. Warum fängst du nicht klein an? Mit einem Schal zum Beispiel?“
„Schals hab ich genug. Aber ich brauche eine neue Strickjacke und will was Individuelles haben. Da hab ich neulich diese Strickanleitung entdeckt und jetzt versuche ich es halt.“
„Und wie oft hast du schon aufgeräufelt und neu angefangen?“ Kritisch betrachtete sie das Knäuel vormals flauschiger Wolle, das mittlerweile tatsächlich reichlich verfilzt wirkte.
Dann grinste sie schon wieder.
„Aber weißt du, ich hätte eine bessere Verwendung für die Wolle.“
„Ach ja?“
Und so kam es, dass Paula und ihre Freunde jetzt komfortabel warm und flauschig ausgepolsterte Höhlen haben und ich immer noch nicht stricken kann.

–235 Wörter–

ABC-Etüden, Gedichte

ABC-Etüde KW 6+7 /2021 – Kein Anschluss unter dieser Nummer

Auch dieses Mal möchte ich Christianes Ruf folgen
und mich in die Schar der ABC-Etüden-Schreiber einreihen.
Die aktuelle Wortspende
Affe – neu – blockieren
stammt von Wortman.
Danke dafür. Ebenso wie an Christiane für Einladung und Titelbild.

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Als sie neulich ganz nebenbei erfuhr,
vom Affen her führe der Ahnen Spur,
da schrie sie laut und verzweifelt: „Oh, nein!
Die mag ich nicht! Ich will kein Affe sein!“

Der Schock hat ihr das Hirn blockiert,
weshalb sie weiter lamentiert
vom gegenseitigen Lausen und Flöhen,
von dicken, leuchtend roten Popöen,
vom selbstherrlich Trommeln auf die Brust
und immer größer wird ihr Frust.

Verzweifelt sie einen Ausweg sucht,
wobei sie herzhaft Darwin verflucht.
Nur will sie auch kein Rippchen sein.
Ein Teilstück vom Manne? Danke. Nein.

„Nur KEINE PANIK, das sagst du so,
ich werd meines Lebens grad nicht froh.
’ne neue Herkunft will ich haben
zur Not nehm ich auch Weltraumschaben.“

„Lies Douglas Adams, empfehle ich dir.
Er bietet für’n Stammbaum ohne OP und Getier
in seinem ‚Per-Anhalter-durch-die-Galaxis‘-Roman,
E.T., den Telefon-Desinfizierer, als Ahnen an.“

Photo by jorien Stel on Pexels.com















Gedankensplitter, Lesen

5.Februar 2021 – Glücklich durch ein Buch spaziert

Eine besondere, schöne Entdeckung mit anderen zu teilen, das kann grandios in die Hose gehen oder eben auch bei dem einen oder der anderen ein ähnliches Glücksgefühl entstehen lassen, wie bei dir selbst.
Alles ist möglich.

Auf der rastlosen, immerwährenden Suche nach neuem Lesestoff begegnete ich vorgestern einem im November 2020 bei Piper erschienenen Buch von Carsten Henn.
Der Titel „Der Buchspazierer“ war es, der mich innehalten und schauen ließ, was sich dahinter wohl verbergen mochte. Ich habe dieses Verweilen nicht bereut.

Ich traf auf die anrührende Geschichte des Buchhändlers Carl Kollhoff, eines (leider!) aus der Zeit gefallenen Bücherwurms, eines Menschenfreundes und Menschenkenners.
Längst ist er Rentner. Aber pünktlich jeden Montag bis Freitag Abend holt er aus der Buchhandlung vorbestellte Bücher, verpackt sie sorgfältig und trägt sie in seinem alten Rucksack kreuz und quer durch die Stadt zu seinen Stammkunden nach Hause.

Seine junge Chefin dagegen, randvoll mit neuen Ideen, wie Buchhandel heute zu funktionieren hat, möchte ihn gern loswerden. Sie sieht in ihm einen Anachronismus.

Und dann ist da noch Schascha, eine kluge, beharrliche, eigensinnige Neunjährige, ein dunkelgelockter kleiner Sturkopf. Eines Abends gesellt sie sich zu ihm, begleitet ihn fortan auf seinen Runden.
Gemeinsam mit den beiden besuchte ich die Stammkunden, denen Kollhoff Spitznamen gegeben hat, die Romanen entstammen.
Ich erkannte nach und nach ihre Eigenheiten und Schicksale und wie sich all das auf die Wahl ihres Lesestoffes auswirkt. Und wie umgekehrt ebendieser Lesestoff ihre Art, das Leben anzugehen, beeinflusst.
Es ist ein liebevolles Buch über Bücher und die Macht des Wortes,
ein Buch über Leser und Bücherfreunde.
Es ließ mich nachdenken über Menschlichkeit, Herzensbildung und den Wandel menschlicher Werte.
Es hat mein Herz erwärmt und mich mit einem Tränchen im Auge zurückgelassen.
Felicitas von Lovenberg formulierte es so: „‚Der Buchspazierer‘ ist die Umarmung, die man in diesen Zeiten braucht…“

Unbedingt lesen.

Hier noch ein Link zu Facebook. Der Autor stellt in diesem halbstündigen Video sein Buch selbst vor: https://www.facebook.com/piper.verlag/videos/772126796671544/

NB: Der Autor hat zwei Katzen. 😻