Depression, medizinische Behandlung

Depression: Acht Tipps zu Antidepressiva

Ich werde mich hüten, hier eine medizinische Abhandlung über die verschiedenen Antidepressiva zu verfassen oder dich mit Definitionen zu langweilen, zumal die Medikamente ja ständig weiter entwickelt werden…
Wenn du tiefer in dieses Thema einsteigen willst, so gibt es dazu viele Informationen auf diversen Websites.
Empfehlenswert erscheinen mir dabei die Seiten von
www.psychenet.de und www.pharmawiki.ch

Acht Tipps von mir für dich zum Thema Antidepressiva.

      1. Bevor dir dein Arzt Antidepressiva verpasst, bitte ihn abzuklären, ob du nicht einen Mangel an Vitamin B oder D hast.

        Mit Glück kannst du so den Griff zum Antidepressivum vermeiden bzw. hinauszögern.

      2. Lass dir Antidepressiva nicht von deinem Hausarzt verschreiben, sondern bitte ihn, dich an einen Neurologen oder Psychologen zu überweisen.

        Dein Hausarzt ist sicher toll, aber halt kein Spezialist.
        Er hat als Allgemeinmediziner bei der Vielzahl der Medikamente auf dem Markt i.d.R. weder den Überblick noch die Erfahrung, welches davon bei dir am besten passt.

      3. Das Antidepressivum heilt deine Krankheit nicht, sondern dämpft nur die Symptome.

        Damit hast du dann >hoffentlich< die Energie, dich um die Heilung zu kümmern. Da sind wir dann bei der Psychotherapie und der unabdingbaren Selbsthilfe.

      4. Das Medikament macht zwar nicht abhängig, dennoch kann man es nicht von heute auf morgen absetzen, sondern muss es immer „ausschleichen“.

        Das bedeutet, die Dosis wird nach und nach gesenkt.
        Dies sollte unbedingt unter ärztlicher Aufsicht geschehen.
        Beim Ausschleichen kommt es oft zu sog. Absetzsymptomen, wie z.B. stromschlagähnlichen Erscheinungen im Kopf. Ich kann dir sagen, da erschreckt man schon…
        Informationsaustausch mit anderen Betroffenen und Tipps dazu findest Du z.B. hier: adfd.org/austausch/
        Ich habe dann mit hochdosiertem Vitamin D, Vitamin B Komplex und Tryptophan L gegen gesteuert, das hat mir geholfen.


Links zu amazon – Vitamin D, Vitamin B und Tryptophan L:
Das Vitamin B-Komplex von Alpha Foods ist nicht mehr zu haben. Ich habe dir einen Link zum „Nachfolgeprodukt“ eingefügt.
Diese Vitaminkapseln haben mich überzeugt, weil die Inhaltssoffe rein pflanzlicher Herkunft sind.


        1. Lass unbedingt regelmäßig deine Leberwerte checken.

          Wenn diese sich verschlechtern obwohl du kaum Alkohol trinkst,
          dann besteht Handlungsbedarf!

        2. Manche Antidepressiva machen zusätzlich müde.

          Das muss nicht sein! Da gibt es Alternativen.
          Müde bist du eh schon und eigentlich willst du doch wieder in die Gänge kommen.

        3. Eine, für mich recht fiese Nebenwirkung war die Gewichtszunahme durch das Medikament.

          Ich habe binnen eines Jahres 15 kg zugenommen, da das Medikament halt alles verlangsamt…
          Wenn man sich dann im Spiegel anschaut…da kann man schon depressiv werden.

        4. Und zu guter Letzt:
          Wenn du die Packungsbeilage liest, dann denk dran, dass nicht jede denkbare Nebenwirkung  bei dir auftreten wird.

          Und ansonsten… sprich mit deinem Arzt über deine Bedenken und lass dir was anderes verschreiben!
          Ganz ohne Medikament wird es in der schlimmsten Phase deiner Depression wahrscheinlich nicht gehen.


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Depression, medizinische Behandlung, Selbsthilfeangebote

Depressionsdemenz: Mein Gedächtnis ist das Ding, mit dem ich vergesse…

Wenn man gewöhnt ist, sein Leben problemlos fest im Griff zu haben, dann ist es eine schreckliche Erfahrung, sich plötzlich nichts mehr merken zu können.

Auf mein Gedächtnis konnte ich mich immer verlassen: Verabredungen, Termine, Einkaufszettel, Telefonnummern, so etwas musste ich mir nie aufschreiben.
Das hat sich mit der Depression dramatisch geändert.

Es fing damit an, dass ich in Gesprächen abdriftete und irgendwann plötzlich merkte, dass ich gar nicht mehr zugehört habe und keine Ahnung hatte, worum es gerade geht. Sehr peinlich!
Diese Vorfälle begannen sich zu häufen. Vor allem wusste ich auch nicht, an was ich in der Zwischenzeit gedacht hatte, mein Kopf hatte sich einfach komplett abgeschaltet…

Die Angst wächst und macht alles dramatischer

Als nächstes stellte ich fest, dass ich mir immer mehr aufschreiben musste, damit ich es nicht verpeile.
An sich nicht schlimm, dann schreib ich’s halt auf, aber es mehrte sich.
Es waren bald nicht mehr nur die längerfristigen Dinge, sondern die kurzfristigen, die mir entglitten.

Langsam aber sicher machte mir das Angst. Man liest und hört ja viel von Alzheimer und Co.

Wenn die Konzentrations- und Gedächtnisprobleme mit deiner Depression einher gehen, dann sind sie gut behandelbar und gehen auch wieder weg!

Deshalb erinnere dich bitte an den intergalaktischen Reiseführer in Douglas Adams großartigem Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ auf dem mit freundlichen, rosa Buchstaben steht:

Keine Panik!

Einen sehr guten Vergleich zwischen temporärer „Depressionsdemenz“ und altersbedingtem oder krankhaft dauerhaftem Abbau der kognitiven Fähigkeiten habe ich bei http://www.medhost.de gefunden: Depressionsdemenz

Soweit so gut, aber wie geht man damit um?
Medikamente und Therapieansätze

Es gibt diverse Medikamente, die Gedächtnisprobleme beheben helfen sollen, ob nun Gingko-Extrakt oder Cholinesterasehemmer, je nach Schwere der Symptome, das muss dein Arzt entscheiden.
Ich selbst bin nicht so der überzeugte Pillenschlucker und suche gern sinnvolle Alternativen.
Für die nicht-medikamentöse Behandlung deiner Depressionsdemenz gibt es derzeit folgende Möglichkeiten:

1. Kognitive Verfahren selbst üben,

also Maßnahmen ergreifen, bei denen kognitive Funktionen, wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache usw. (wieder) aktiviert werden.
Das klingt hochwissenschaftlich, oder? Dabei ist es ganz einfach:
Puzzles helfen deiner Konzentrationsfähigkeit auf die Sprünge.
Vielfältigste Logiktrainerspiele sind eine gute, vielseitige und unterhaltsame Trainingsmethode.
Dazu kann ich dir aus eigenem Dauergebrauch die App: Brain Yoga von Megafauna Software für Dein Smartphone sehr empfehlen.
Diese App bietet eine unterhaltsame Mischung aus verschiedenen Logikaufgaben, Kreuzworträtseln (allerdings englisch) und Rechenaufgaben. Den Schwierigkeitsgrad kann man selbst bestimmen. Für einmalig 4,99 Euro läuft sie werbungsfrei.
Natürlich gibt es auch entsprechende Bücher. Das folgende von Karsten Erich, war für mich extrem hilfreich:

Lesen, merken und erinnern: 
Übungen für Vergessliche und Ratschläge 
für Angehörige und Therapeuten

(link zu amazon)
(von Karsten Erich gibt es noch mehr)

Im Zeitschriftenhandel wirst du auch fündig: Kreuzworträtsel, Sudoku und Co. gibt es in diversen Ausführungen und Schwierigkeitsgraden. Sehr gut und anspruchsvoll ist auch der monatlich erscheinende P.M. Logiktrainer.
Auch hier gilt wieder GEDULD und FREUDE an dem, was du dir zum Üben aussuchst, sind die Schlüssel zum Erfolg des Trainings.

2. Ergotherapie

Ein Ergotherapeut unterstützt dich dabei, deinen Alltag wieder in den Griff zu bekommen.
Individuell auf deine Bedürfnisse abgestimmt werden Aufgaben
für deine Tagesplanung (den Tag wieder strukturieren, erinnerst du dich an mein Tagesplanungsbuch?) ,
für Freizeitaktivitäten (wieder unter Menschen kommen und sich bewegen)
und
für deine Produktivität (Konzentrationsfähigkeit und Feinmotorik üben, Erfolgserlebnisse haben)
gemeinsam geplant und trainiert.
Die Pluspunkte an einer Ergotherapie sind aus meiner Erfahrung,

  • dass du nicht allein bist,
  • dass der Therapeut weiß, in welchem Tempo sich Ergebnisse einstellen können (du selbst hast es wahrscheinlich viel zu eilig und bist dann schnell entmutigt)
  • und dass der Therapeut deine Fortschritte viel eher und deutlicher bemerkt, als du selbst.

Das „Nicht-Allein-Kämpfen-Müssen“ baut dich auf und gibt dir Kraft und Mut, weiter zu machen.

3. Künstlerische Therapien

Werden in der Regel auch von Ergotherapeuten mit speziellen Zusatzausbildungen angeleitet:

  • Musizieren hebt die Stimmung und gibt dir eine Möglichkeit dich auszudrücken.
    (Ich hab während der Kur das Trommeln für mich entdeckt…)
  • Tanz und Bewegung hilft insbesondere bei Störungsbildern mit eingeschränkter sprachlicher Kommunikation.
  • Malerei, Töpfern, Schnitzen und ähnliches fördert die Feinmotorik und gibt dir ebenfalls eine Möglichkeit zum nonverbalen Ausdruck.
4. Sensorische Verfahren

Hierzu gehören Aromatherapie und Massage.
Aromatherapie ist „ein weites Feld, Luise“ (aus „Effi Briest“ von Theodor Fontane). Ich beschäftige mich damit hobbymäßig, weil ich es spannend finde, was man mit ein paar Tropfen ätherischen Öls so alles machen und erreichen kann. Vielleicht kann ich dich mit meinem Text dazu „anfixen“. Guckst du hier: Aromatherapie: Ein guter Duft schafft Wohlbefinden

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Depression, medizinische Behandlung

Depression: Die Reha-Nachsorge

Behördendeutsch nennt sich das übrigens: „Intensivierte Rehabilitationsnachsorge für psychische und psychosomatische Störungen, außer stoffgebundenen Abhängigkeitserkrankungen.“ (kurz: PSIRENA)

Ich dachte: „Gruppentherapie im Anschluss an die Kur?… gute Idee!“

In der letzten Woche meiner Kur hatte ich einen Termin beim psychologischen Dienst der Rentenversicherung.
Da sollte besprochen werden „Wie es mit mir nun weiter geht“…
Viel Neues habe ich da nicht erfahren. Bis auf eines: Dass ich mich zu einer Nachsorge in einer Therapiegruppe anmelden könnte.
Das wären 25 Termine, immer in der selben Gruppe, geführt von einem Psychologen. (entschuldige übrigens, dass ich den Gender-Wahn nicht mit mache … ich meine hier den Beruf, nicht das Geschlecht der Person, die ihn ausübt, denn das sollte eigentlich für den Job keine Rolle spielen…aber ich schweife ab!)
Da ich ja, wie du weißt, keinen Therapieplatz habe und weil mir die Gruppentherapie während der Kur so gut getan hat, habe ich mich sofort angemeldet.

Insgesamt war das schon eine gute Idee, nur bin ich von den falschen Voraussetzungen ausgegangen.

Das ist keine Gruppentherapie oder gar „angeleitete Selbsthilfegruppe“, sondern eine Auffrischungsveranstaltung zu den Stressbewältigungsthemen, die man während der Kur schon mal besprochen oder auch geübt hatte.
In sofern war es dann auch nicht schlimm, dass zwischen Ende der Kur und Beginn dieser Gruppensitzungen 5 Monate ins Land gingen … auch hier Personalengpässe …
In der Zwischenzeit hatte ich einen MBSR-Kurs gemacht, um irgendwie weiter zu kommen.

Die Gruppensitzungen verliefen nach einen festen Muster in 4 Blöcken.

1.„Blitzlicht“

Jeder erzählt kurz, wie es ihm heute geht, ohne ins Detail zu gehen und ohne dass ein anderer nachfragen durfte.
Für mich war das ein bissel, wie man es immer von den Anonymen Alkoholikern in Filmen sieht:
„Guten Tag, ich bin die Fledermaus und mir geht es heute schlecht“
Naja und dann sitzt du also mit ca. 10 anderen Leuten zusammen, von denen du nun weißt, dass es ihnen heute auch mehr oder weniger schlecht geht…

2. Entspannungsübung 

DAS war echt gut!
Hier haben wir, glaube ich, insgesamt 5 oder 6 verschiedene gemacht, immer so nach 3 bis 4 Terminen eine andere.
Für mich von bleibendem Wert sind
die Übung zum inneren sicheren Ort,
die 5-4-3-2-1-Methode zum Unterbrechen des Kopfkarussells
und
der Bodyscan.

3. Theorie

Inhalt waren verschiedende Themen rund um Stress, die eigenen Stressoren und Methoden, ihnen auf die Spur zu kommen.
Spannend fand ich dabei die Idee von eigenen Tempel.
Dabei war auch einiges, was ich aus dem MBSR-Kurs kannte und so auffrischen konnte.
Schlimm für mich war jedoch zum Beispiel, als wir grüppchenweise „erarbeiten“ mussten, was passieren muss, damit ein Tag für uns so richtig gegen die Wand läuft. Dann las jede Gruppe ihre Ergebnisse vor, bei jedem Wort fühlte ich mich noch mieser und tiefer im Keller…
und dann kam

4. „Abschlussblitzlicht“

„Wie geht es Ihnen jetzt?“ – „Also jetzt geht es mir immer noch schlecht und außerdem bin ich müde.“
„Danke. Tschüss bis nächste Woche.

Die Gruppe war nett und die Therapeutin kompetent, das ist nicht der Punkt.
Es war auch inhaltlich nichts falsch oder gar grundsätzlich schlecht.
Nur meins war’s halt nicht. Es haben mir persönlich 2 Dinge gefehlt

Zum Einen fehlte mir: Der Austausch in der Gruppe.

Ohne die beiden Blitzlichter wäre die Veranstaltung für mich besser gewesen.

Ich bin leider nicht in der Lage, mich besonders gut abzugrenzen. Wenn die Tatsache, dass es jemandem grad so richtig besch…eiden geht, einfach nur zur Kenntnis genommen wird, dann komme ich damit nicht klar.
Nach meiner Ansicht, sollte man keine Frage stellen, wenn einem die Antwort egal ist.
Wenn man aber fragt, dann muss man auch drauf eingehen… Mein Helfersyndrom mag andere nicht abweisen.
Also brauche ich vielleicht doch eher eine Selbsthilfegruppe, so eine Art „Anonyme Depressive“.

So hatte ich zum Abschluss fast immer das Gefühl schwindeln zu müssen, dass es mir besser ginge. Um ein positives Zeichen für die anderen zu setzen, oder so ähnlich …, obwohl oft das Gegenteil der Fall war.

Zum Anderen fehlten für mich: Die Lösungsansätze.

Für mich war das zu rückwärts gewandt und vielfach zu abstrakt.

Ich will doch raus aus meiner Depression.
Positive Erlebnisse und jemanden, der mir Mut macht, das hätte ich gebraucht. Davon war für mich leider zu wenig dabei. Klar muss ich meine Stressoren kennen, aber vor allem doch, wie ich ihnen begegnen kann.

Nach den meisten Terminen konnte ich nachts nicht schlafen. Am nächsten Tag hatte ich Migräne und war froh, dass ich noch keinen Job hatte, weil ich mich hätte krank melden müssen.

Wenn ich das jetzt, mit etwas Abstand, Revue passieren lasse, lautet mein Fazit:
JA       – ich habe einiges gelernt und wieder aufgefrischt
NEIN – diese Runden haben mir oft nicht gut getan.


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Depression, medizinische Behandlung

Depression: Die Kur. Raus aus dem Alltag, sich selbst finden

-Alles dreht sich um mich! … Ja, wo gibt’s denn so was? –

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Liegt sie nicht traumhaft? Die Marbachtalklinik

Meine medizinische Rehabilitation fand in der Marbachtalklinik in Bad Kissingen statt.
Im Folgenden werde ich von Kur oder Reha sprechen, das schreibt sich schneller und ich weiß auch ehrlich nicht, woher die Tendenz kommt, alles immer hochgestochener zu benennen. Letztlich kommt es doch auf die Inhalte an und weniger auf den Titel.

Den Antrag auszufüllen braucht Geduld

Nachdem absehbar war, dass es mir nicht gelingen würde, einen Therapieplatz bei einem Psychotherapeuten zu ergattern, empfahl mir meine Neurologin beim Rentenversicherer einen Antrag auf eine >Kur< zu stellen und unterstützte mich dabei auch durch ein entsprechendes Gutachten.
Der Antrag war vom Inhalt her eine halbe Doktorarbeit.
Es braucht Unterlagen von Ärzten, Krankenkasse, (Ex-)Arbeitgeber …
Was hab ich geflucht, ob des bürokratischen Aufwandes und der verquasten Formulierungen, die auf Anhieb wohl nur ein Beamter versteht!
Aber es hat sich gelohnt, da die Kur relativ schnell bewilligt wurde.
Auch der Rentenversicherer kennt die prekäre Lage bei der Therapeutensuche.

5 Wochen Reha in Bad Kissingen,
das klang ziemlich lang, aber nach den 5 Wochen hätte ich am liebsten gleich noch mal verlängert.

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Blick auf meinen Balkon und hinaus über Bad Kissingen

Alles in Allem hatte ich auch hier, wie schon sehr oft in meinem Leben, viel Glück.
Ende März/Anfang April 2017 war das Wetter prima.
Mein Zimmer lag relativ weit oben, war sonnig, mit Balkon und weitem Blick  übers Tal.

Die Stationsschwester und die Stationsärztin waren Spitze. Das Personal der Klinik durchweg freundlich und gut drauf. Das Arbeitsklima da schien zu passen.
Diese gute Laune begann abzufärben.
Zum ersten Mal erlebte ich Psychotherapie, sowohl in Einzelsitzungen als auch in der Gruppe mit einer großartigen Psychologin.
Diese Sitzungen haben mir unglaublich viel gegeben. Das Gefühl, verstanden zu sein und unbeurteilt so sein zu dürfen, wie ich bin, und die Denkanstöße aus den Gesprächen haben mich weiter gebracht.
Darüber hinaus gab es ein großes Angebot an

  • Entspannungsübungen (also autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Atemübungen …),
  • Sport (obligatorisch war Morgensport,
    darüber hinaus gab’s Aquafit, Nordic Walking, Aerobic bzw. Jazzdance
    und die üblichen Fitnessgeräte),
  • Ergotherapie (Malen, Basteln, Musik, Körperwahrnehmung, Kommunikationsübungen)
  • und dann noch die „Wohlfühleinheiten“ wie Massagen und Fango.

Gemeinsam mit der Stationsärztin und der Psychologin wurde auf Basis meiner Bedürfnisse ein Wochenprogramm zusammen gestellt.

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Sonnenaufgang – der Morgensport ruft!

Der Wochenplan: Wenn nur der Morgensport nicht wäre…

Es gab so ein paar Eckpunkte, wie den Morgensport, die obligatorisch waren (7 Uhr vor dem ersten Kaffee!!!! Das kostet Überwindung.)
und ein paar Vorträge, die, vom Rentenversicherer vorgegeben, jeder abbekommt, wie ein Vortrag über gesunde Ernährung und ein Seminar zur Stressbewältigung,
außerdem 2x pro Woche Gruppentherapie und einmal Einzeltherapie.
Der Rest war wählbar.
Ich ließ mir die Woche bewusst ordentlich voll packen.

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mein Therapieplan der 3.Woche

Erstens wollte ich ganz viele Sachen einfach mal an einem Ort ausprobieren, wo mich keiner kennt, ich mich also auch nicht dauerhaft „zum Larry“ machen konnte, wenn ich mich ungeschickt anstellte.(z.B. Trommeln und Tanz Dich Fit)

Zweitens wollte ich möglichst wenig Zeit für Heimweh und zum Grübeln haben.

Drittens schließlich, war da mein Ehrgeiz, schnell wieder auf die Beine zu kommen.

Ich? Im Mittelpunkt? Nanu, wie bin ich denn da hingekommen?

Es war großartig! Das erste Mal im Leben ging es mal ausschließlich um mich, meine Bedürfnisse, mein Wohlbefinden.
Ja, ich weiß: Das klingt pathetisch und so, als ob ich im Leben immer zu kurz gekommen wäre.-
Das bin ich irgend wie auch.
ABER Auslöser dafür waren nicht ursächlich „die Anderen“ , sondern ich selbst.
Wenn einer sich freiwillig immer zurücknimmt,
wird die Umwelt das irgendwann auch von ihm erwarten.

Freizeitgestaltung

Die Freizeit konnte man gut nutzen im Schwimmbad, an den Fitnessgeräten, auf der Kegelbahn, beim Billard usw.
Einmal in der Woche gab’s Kino.
Jeden Abend konnte man in die Kreativwerkstatt gehen, wo es wirklich ein riesiges Angebot von Töpfern über Filzen, Malen, Speckstein schleifen, bis zu Seidenmalerei und jeglichen Hand- und  Flechtarbeiten gab.
Die Fitnessgeräte standen jederzeit zur Verfügung.
Und dann war da ja noch die grandiose Umgebung, nicht umsonst war Bad Kissingen eins der ersten Kurbäder überhaupt – Bismarck sei dank.
Es gab auch externe Angebote für die Abende und Busausflüge am Wochenende.

Zeit sich zu besinnen, die nächsten Schritte zu planen

Die Zeit in der Klinik hat natürlich mit deinem normalen Leben nix zu tun.
Du bist da in einer geschützten Blase, fernab aller Problem deines Alltags.
Aber genau das habe ich gebraucht, um mich auf mich besinnen zu können.
Es gab Mitpatienten, die sind jedes Wochenende heim gefahren oder bekamen Besuch, weil sie es alleine nicht aushielten. Jeder ist halt anders.
Ich habe alle meine Leute gebeten, mich NICHT zu besuchen.
Nicht alle haben das verstanden. Doch ich habe mein schlechtes Gewissen, ob dieser vermeintlichen Unfreundlichkeit unterdrückt.
Es ist zulässig, auch mal egoistisch zu sein!


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Depression, medizinische Behandlung

Depression: Die medizinische Behandlung

Allein 4 Millionen Deutsche leiden an Depressionen?

Da meint man doch:
Wir haben ein gutes Gesundheitssystem und wenn so viele betroffen sind, dann gibt es schnelle, adäquate Hilfe?
Die Antwort ist ein klares:  Jein.

Die medizinischen Angebote zur Behandlung  bestehen in der Regel aus 3 Säulen.

  1. Medikamente:
    Antidepressiva schlucken, um die Symptome einzudämmen
  2. Psychotherapie:
    einen Therapeuten suchen, der mit dir die Ursachen findet und dich beim Bekämpfen unterstützt
  3. ergänzende Maßnahmen:
    wenn die Rentenversicherung mitspielt, gibt’s eine medizinische Rehabilitation entweder ambulant oder stationär als sog. ergänzende Maßnahme
    eine weitere Möglichkeit ist Ergotherapie
behandlung
Quelle: http://www.deutsche-depressionshilfe.de

Lachen ist gesund. Wer über sich selbst lachen kann, hat es oft leichter.
Wenn ein Comedian wie Torsten Sträter über seine Depression und deren Behandlung spricht…Guckst Du hier:

(das ist ein Link zu Youtube)

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