Gedankensplitter

Weihnachts(alb)traum

Vorab (statt einer Triggerwarnung):
Das Folgende ist eine Glosse und es geht im weitesten Sinne um Nachhaltigkeit.
Ich hoffe zumindest einigen von euch mitten im Weihnachtsstress ein Schmunzeln entlocken zu können.


Der 24. Dezember

Während Muttern gemeinsam mit ihren beiden Großen in der Küche Braten, Rotkohl und Bratäpfel für die Feiertage sowie den Kartoffelsalat für das heilige Abendessen vorbereitet, hält Vater die aufgedrehten Jüngsten mit gemeinsamem Christbaumschmücken bei Laune.
Es geht ganz harmlos los mit Lichterketten, die der Papa höchstpersönlich gleichmäßig im Geäst verteilt und über die große Verteilerbox an die Steckdose anschließt.
Kerzen wären zwar heimeliger, aber die Kombination aus Kindern, Katzen und brennenden Kerzen am Baum ist einfach zu gefährlich.
Als Nächstes bestücken die Kleinen sämtliche Zweige mit allem, was der jahrelang gesammelte Vorrat an Weihnachtsschmuck so hergibt. Hauptsache bunt und viel Glitzer. So wandern Kugeln, Zapfen, Engel und Girlanden in allen Größen, Formen und Farben in wilder Mischung an den Baum.
Ein goldfarbener Stern wird auf die schmählich gekappte Spitze gestülpt.
Anschließend verteilt Vater den Inhalt mehrerer Dosen Kunstschnee mit Tannenduft dick auf den Zweigen.
In ehrendem Gedenken an Luigi Maria la Metta, den Paten von Bethlehem, werden am Schluss auch noch pfundweise silbern glänzende Aluminium-Tagliolini über die vormals grünen Zweige geworfen.
Fertig.
Nun kann Weihnachten losgehen …
Der arme Baum wird sich in seiner Qual letztlich nicht anders zu helfen wissen, als beschämt schnellstmöglich sämtliche Nadeln zu werfen, um so seinem Elend bald zu entkommen.
Noch Monate lang werden überall in der Wohnung Tannennadeln auftauchen, die an das traurige Ende des Weihnachtsbaumes erinnern.
Als Konsequenz beschließt der Familienrat, zum kommenden Fest einen Kunstbaum anzuschaffen. Der nadelt nicht und erfüllt den Zweck als bloßer Dekorationshalter genauso gut.
Und wie wäre das Fazit von Opa Hoppenstedt?
Ach ja! : „Früher war mehr Lametta!“


Warum nicht zum Beispiel einen Weihnachtsbaum aus Büchern?

Bildquelle Bayrischer Rundfunk s. https://www.br.de/puls/themen/leben/5-weihnachtsbaum-alternativen-100.html
ABC-Etüden

Dezember mit den Mos

Aufseufzend ließ sie sich auf ihren Einzelplatz im Großraumwagen sinken.
Fast wäre sie noch zu spät am Bahnhof gewesen. Dicke Nebelschwaden hatten die Autofahrer gezwungen, sich nur langsam und vorsichtig durch die Watte zu tasten. Novemberwetter.

Sie holte ihre Kopfhörer heraus, startete ihren Lieblings-Weihnachts-Stream.
„Driving home for Christmas“ – wie passend. Entspannt lehnte sie sich zurück, schloss die Augen, ließ die Erinnerungen kommen.
„Die drei Mos“ wurden sie genannt – unzertrennlich seit dem ersten Schultag.
Keiner konnte mitreißendere Geschichten erfinden als Mohammed, keiner heckte so pfiffige Streiche aus wie Moses und dank Monikas Findigkeit waren sie oft einer Strafe entgangen.
Monika – ihre kenianische Mutter hatte auf diesem Vornamen bestanden, damit ihre dunkelhäutige Tochter es leichter habe.
Die drei liebten den Dezember, wenn sich die Feste in den Familien häuften. Ihre Geburtstage, Chanukka, Weihnachten, Silvester. Unübertrefflichen Käsekuchen naschen am 1. Dezember zum Geburtstag bei Mohammed, gemeinsames Backen fantasievoll verzierter Lebkuchen mit Monikas Eltern, Singen im Altersheim, gegenseitiges Wichteln zu Nikolaus, das Dekorieren des Weihnachtsbaums – das war ihr Dezember.

Das Jahr endete traditionell mit dem Silvester-Wunschpunsch bei Moses‘ Familie.
Gut. Ihre Wünsche gingen nicht immer in Erfüllung. Das heiß ersehnte Einhorn blieb ein Bild im Märchenbuch.
Doch es gab Geborgenheit, gemeinsam lachen, zusammengehören.

Monika seufzte. Die beiden anderen lebten noch immer in der Stadt. Nur sie selbst war ein Zugvogel, weltweit tätig als IT-Beraterin. Umso schöner war die Dezember-Auszeit, auf die sie immer bestanden hatte. Im Dezember nicht daheim? Undenkbar.

Ihre Musikliste dudelte in ihre Gedanken hinein. Musik. Sie war da breit aufgestellt, die Jungs eher weniger. Besonders der Song, der eben lief, war Streitthema. Um ihr das Lied madig zu machen, hatten sie es sogar umgetextet. Wie war das noch? „Lars iss dös, der Stollen schmeckt gut, Lars iss dös, gleich packt mich die Wut …“ Monika giggelte.

Dies war also meine allererste ABC-Adventüde, die heute am 12. Dezember 2020 hinter dem Türchen im Etüden-Adventskalender bei Christiane ihren Auftritt erwartete.
Auf Christianes Blog Irgendwas ist immer findest du den gesamten Adventskalender und vieles mehr. Reinschauen lohnt sich unbedingt.

Die Adventüden-Aufgabe dieses Sommers (!) war, eine maximal 300 Wörter umfassende winterlich-weihnachtliche Geschichte zu schreiben, die mindestens 3 der folgenden Begriffe enthält:

Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Ein dickes Dankeschön an Christiane: Du bist die Beste.

Gedankensplitter

20. Dezember 2019 – Wo bleibt die Weihnachtsstimmung?

Da saß ich gestern beim Friseur (der Schimmel musste vom Dach 😉) und ließ unter der Wärmehaube die Gedanken schweifen:
Seit Mitte November bin ich zwar ständig irgendwie am adventlichen Vorbereiten, Dekorieren, Backen, Päckchen packen usw. aber Weihnachtsstimmung?
Nein, die ist bisher noch nicht aufgekommen.

wp-1576828057291.jpg
Drachenfeuer

Meine sämtlichen, heiß geliebten Weihnachtslieder-CD’s sind in diesem Jahr noch ungehört. Weder beim Werkeln in der Küche, noch beim Hausputz oder Auspacken und Aufstellen der Weihnachtsdeko hab ich Musik gehört. Noch nicht mal „Last Christmas“ ist mir bisher beim Radiohören im Auto untergekommen.
Immerhin hab ich auf der Harfe zwei Weihnachtslieder zusammengestümpert und sogar mit meinem Mann gemeinsam gespielt (Er wahlweise mit Klavier, Bassukulele oder Gitarre …).

Mein Kerzenverbrauch ist eindeutig auf rekordverdächtigem Tiefststand und das als bekennende Gokeltante…

Auf einem Weihnachtsmarkt waren wir einmal kurz, letzten Samstag, in Pinneberg. Naja…
Aber wie auch beim Weihnachtsgrüße-Schreiben, beim Kaufen und Verpacken der Geschenke…keine Vorfreude.

Was ist dieses Jahr bloß los?
Kurz erwischt mich der Gedanke, das Wetter sei Schuld. Ist ja immer eine gute Begründung für alles mögliche. Aber das glaub ich mir selbst nicht.
Was dann?
Vielleicht fehlende Familie? Bisschen mehr Leben in der Bude?
Na, das wird sich morgen schlagartig ändern, wenn Schwager, Schwägerin und vor allem die beiden Nichten einreiten. Ich freu mich drauf. Hoffentlich wird dann auch in meinem Inneren endlich Weihnachten, das wäre schön.

Bis dahin werd ich erst mal weiter die Routinen abspulen: Betten beziehen, aufräumen, Staub saugen, einkaufen, vorkochen…was eben so anfällt, wenn Besuch kommt.
Und ja unbedingt! Die Weihnachtsmusik hole ich heute endlich hervor.
Meine Topp 3:

  1. Christmas in the Aire – Mannheim Steamroller
  2. Festplatte – Die Prinzen
  3. Weihnachten in Familie – Frank Schöbel

Das wird schon noch mit der Stimmung. Wär doch gelacht, wenn nicht.

Vielleicht ja so: Adventsgedicht von Loriot (YouTube)

wp-1576827987393.jpg