ABC-Etüden

Dezember mit den Mos

Aufseufzend ließ sie sich auf ihren Einzelplatz im Großraumwagen sinken.
Fast wäre sie noch zu spät am Bahnhof gewesen. Dicke Nebelschwaden hatten die Autofahrer gezwungen, sich nur langsam und vorsichtig durch die Watte zu tasten. Novemberwetter.

Sie holte ihre Kopfhörer heraus, startete ihren Lieblings-Weihnachts-Stream.
„Driving home for Christmas“ – wie passend. Entspannt lehnte sie sich zurück, schloss die Augen, ließ die Erinnerungen kommen.
„Die drei Mos“ wurden sie genannt – unzertrennlich seit dem ersten Schultag.
Keiner konnte mitreißendere Geschichten erfinden als Mohammed, keiner heckte so pfiffige Streiche aus wie Moses und dank Monikas Findigkeit waren sie oft einer Strafe entgangen.
Monika – ihre kenianische Mutter hatte auf diesem Vornamen bestanden, damit ihre dunkelhäutige Tochter es leichter habe.
Die drei liebten den Dezember, wenn sich die Feste in den Familien häuften. Ihre Geburtstage, Chanukka, Weihnachten, Silvester. Unübertrefflichen Käsekuchen naschen am 1. Dezember zum Geburtstag bei Mohammed, gemeinsames Backen fantasievoll verzierter Lebkuchen mit Monikas Eltern, Singen im Altersheim, gegenseitiges Wichteln zu Nikolaus, das Dekorieren des Weihnachtsbaums – das war ihr Dezember.

Das Jahr endete traditionell mit dem Silvester-Wunschpunsch bei Moses‘ Familie.
Gut. Ihre Wünsche gingen nicht immer in Erfüllung. Das heiß ersehnte Einhorn blieb ein Bild im Märchenbuch.
Doch es gab Geborgenheit, gemeinsam lachen, zusammengehören.

Monika seufzte. Die beiden anderen lebten noch immer in der Stadt. Nur sie selbst war ein Zugvogel, weltweit tätig als IT-Beraterin. Umso schöner war die Dezember-Auszeit, auf die sie immer bestanden hatte. Im Dezember nicht daheim? Undenkbar.

Ihre Musikliste dudelte in ihre Gedanken hinein. Musik. Sie war da breit aufgestellt, die Jungs eher weniger. Besonders der Song, der eben lief, war Streitthema. Um ihr das Lied madig zu machen, hatten sie es sogar umgetextet. Wie war das noch? „Lars iss dös, der Stollen schmeckt gut, Lars iss dös, gleich packt mich die Wut …“ Monika giggelte.

Dies war also meine allererste ABC-Adventüde, die heute am 12. Dezember 2020 hinter dem Türchen im Etüden-Adventskalender bei Christiane ihren Auftritt erwartete.
Auf Christianes Blog Irgendwas ist immer findest du den gesamten Adventskalender und vieles mehr. Reinschauen lohnt sich unbedingt.

Die Adventüden-Aufgabe dieses Sommers (!) war, eine maximal 300 Wörter umfassende winterlich-weihnachtliche Geschichte zu schreiben, die mindestens 3 der folgenden Begriffe enthält:

Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Ein dickes Dankeschön an Christiane: Du bist die Beste.

Gedankensplitter

20. Dezember 2019 – Wo bleibt die Weihnachtsstimmung?

Da saß ich gestern beim Friseur (der Schimmel musste vom Dach 😉) und ließ unter der Wärmehaube die Gedanken schweifen:
Seit Mitte November bin ich zwar ständig irgendwie am adventlichen Vorbereiten, Dekorieren, Backen, Päckchen packen usw. aber Weihnachtsstimmung?
Nein, die ist bisher noch nicht aufgekommen.

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Drachenfeuer

Meine sämtlichen, heiß geliebten Weihnachtslieder-CD’s sind in diesem Jahr noch ungehört. Weder beim Werkeln in der Küche, noch beim Hausputz oder Auspacken und Aufstellen der Weihnachtsdeko hab ich Musik gehört. Noch nicht mal „Last Christmas“ ist mir bisher beim Radiohören im Auto untergekommen.
Immerhin hab ich auf der Harfe zwei Weihnachtslieder zusammengestümpert und sogar mit meinem Mann gemeinsam gespielt (Er wahlweise mit Klavier, Bassukulele oder Gitarre …).

Mein Kerzenverbrauch ist eindeutig auf rekordverdächtigem Tiefststand und das als bekennende Gokeltante…

Auf einem Weihnachtsmarkt waren wir einmal kurz, letzten Samstag, in Pinneberg. Naja…
Aber wie auch beim Weihnachtsgrüße-Schreiben, beim Kaufen und Verpacken der Geschenke…keine Vorfreude.

Was ist dieses Jahr bloß los?
Kurz erwischt mich der Gedanke, das Wetter sei Schuld. Ist ja immer eine gute Begründung für alles mögliche. Aber das glaub ich mir selbst nicht.
Was dann?
Vielleicht fehlende Familie? Bisschen mehr Leben in der Bude?
Na, das wird sich morgen schlagartig ändern, wenn Schwager, Schwägerin und vor allem die beiden Nichten einreiten. Ich freu mich drauf. Hoffentlich wird dann auch in meinem Inneren endlich Weihnachten, das wäre schön.

Bis dahin werd ich erst mal weiter die Routinen abspulen: Betten beziehen, aufräumen, Staub saugen, einkaufen, vorkochen…was eben so anfällt, wenn Besuch kommt.
Und ja unbedingt! Die Weihnachtsmusik hole ich heute endlich hervor.
Meine Topp 3:

  1. Christmas in the Aire – Mannheim Steamroller
  2. Festplatte – Die Prinzen
  3. Weihnachten in Familie – Frank Schöbel

Das wird schon noch mit der Stimmung. Wär doch gelacht, wenn nicht.

Vielleicht ja so: Adventsgedicht von Loriot (YouTube)

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Gedankensplitter

15. Dezember 2019 — zeitlos

Gestern hätte sie ihren 67. Geburtstag gefeiert, aber sie ist schon 1996 an Brustkrebs gestorben…
Zu meinen wichtigsten schönen Erinnerungen an die DDR gehören Tamara Danz‘ Stimme, die Musik von Silly, ihre Texte (viele von Werner Karma, einiges aus eigener Feder).
Letzten Samstag erst hat der musikalisch hochkarätige Rest von Silly (Uwe Hassbecker, Rüdiger [Ritchie] Barton und Hans-Jürgen [Jäckie] Reznicek) großartig unterstützt von den Sängerinnen AnNa R. und Julia Neigel in Hamburg im Rahmen ihrer „Analog“-Tour die Hamburger Laeiszhalle gerockt.  Sie bewiesen einmal mehr Zeitlosigkeit und Qualität von Musik und Texten.

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Das erste Mal habe ich sie live gesehen 1986 oder 87 in Dresden, auf der Freilichtbühne „Junge Garde“, als sie mit „Bataillon d’Amour“ tourten.
Ihr Album „Februar“ von 1989 begleitete mich durch die Wendezeiten.

„Hurensöhne“ hat 1993 dann viel von der ersten Nachwendeernüchterung eingefangen und ohne Jammern auf den Punkt gebracht.

1996 folgte mit „Paradies“ ein weiteres großartiges Album, das letzte mit Tamara.

Ja, ich war letzten Samstag in der Laeiszhalle und ja, ich habe wieder, wie jedes Mal, bei den verlorenen Kindern geheult. Sch… auf die Wimpertusche! Mal ins Original reinhören? Hier, bitteschön:
Silly, „Verlorene Kinder“ (Youtube)

Auf dem Facebook-Account von Silly finden sich Mitschnitte der Tour. Unter anderem „Abendstunden“ … einfach nur großartig:
„…In den stillen Abendstunden
wenn die Trommelstöcke ruhn
wenn auch unsre großen Meister
etwas ganz Privates tun…“
Die Version mit Tamara Danz hab ich auf Youtube gefunden, unterlegt mit wunderschönen Bleistiftzeichnungen… guckst du hier:

Silly, „Abendstunden“ mit Bleistiftzeichungen von Michael Heidenreich (Youtube)

Oh, es gäbe noch so viele Titel, die ich hier verlinken könnte, so manchen Text, der immer noch gilt.
Wäre prima, wenn ich dich angefixt hätte.
Viel Spaß beim Entdecken.

 

 

 

 

Depression

Depression: Gestern hatt‘ ich heute noch viel vor…

Danke zunächst an Marc-Uwe Kling für das Zitat in der Titelzeile. Ich bin begeisterte Konsumentin vor allem seiner Känguru-Geschichten und seiner Songs. Grüße an das intelligente, renitente Beuteltier. Derzeit höre ich mich durch „Qualityland“ – großartig!

Aber zum Thema:

Da isse wieder, die Hängephase. Es gibt einfach keinen Grund, irgendetwas heute zu tun…

Ziele machen halt nur Freude, wenn sich noch wer anderes dafür interessiert und teilnimmt. Die Werbung würde mir jetzt Vitasprint verschreiben, nur damit ist es leider nicht getan.

Was ist passiert?

Lapidar könnte ich sagen: „Nichts! Das ist es ja eben.“
Im letzten Jahr sah es besser aus. Vom Rentenversicherer bekam ich Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben gesponsert.
Von Februar bis Oktober hatte ich damit wieder einen regelmäßigen, arbeitsalltagsnahen Tagesablauf mit Verpflichtungen bei Salo & Partner. Ziel war, meine Leistungsfähigkeit zu checken und mich bei der Jobsuche zu unterstützen.

Die Maßnahme bestand vorrangig aus Unterrichtseinheiten in Computernutzung (Excel, Word, Powerpoint), zu Wirtschaftsthemen (ein bisschen Buchhaltung, Wirtschaftsrecht und ähnliches), sowie Ergotherapie in der Werkstatt und Entspannungsübungen.
Dazu allerhand rund um Bewerbung und Jobetikette.
Zu Beginn gab es ein paar psychologische Tests, mit deren Hilfe rausgefunden werden sollte, wo meine Stärken, Schwächen und Interessen liegen.
Auf dieser Basis wurde dann überlegt, in welchen Berufszweig es mich künftig verschlagen könnte.
Es gab eine Psychologin und eine Arbeitsberaterin, die Ansprechpartner waren. Mit Ihnen wurden die Bewerbungsunterlagen gesichtet und bei Bedarf aufgehübscht. Beim Suchen von geeigneten Stellenangeboten gab es viel Unterstützung und Beratung.
Außerdem musste man jede Bewerbung vor dem Abschicken sichten lassen.

Insgesamt also eine gute Sache.

Ich habe mir in der Zeit ein sechsmonatiges Praktikum gesucht, war demnach nicht so wahnsinnig oft vor Ort.
Als ITlerin brachte mir der Computerunterricht naturgemäß nicht so viel und da ich über 20 Jahre lang die IT für ein Versandhandelsunternehmen gemacht habe, waren auch die Wirtschaftsthemen meist eher Auffrischung. Aber darum ging es auch weniger:

  • Der Tag hatte Struktur. Früh aufstehen, pünktlich da sein … Feste Zeiten und Pflichten eben.
  • Ich konnte meine Konzentrations- und Merkfähigkeit testen und trainieren.
  • Ich musste mit anderen kommunizieren, mich in eine Gruppe einfügen, mich auch anleiten lassen.
  • Ich bekam Aufgaben und Feedback.

Das waren auf jeden Fall wichtige Aspekte. Das tat mir gut. Während die anderen „Computer lernten“, habe ich halt diverse Online-Schulungen gemacht.

Mein Praktikum war echt klasse und inhaltlich voll mein Ding.
Aber trotz tollem Zeugnis, hat es mich leider beruflich nicht weiter gebracht, sondern nur die Zeit überbrückt.
Es wurde bald klar, ohne Umschulung, würde mich niemand fest einstellen. Eine Umschulung bekäme ich aber nur bei einer Jobzusage … die berühmte Katze und ihr Schwanz.  Also suche ich Quereinsteiger-Angebote …

Als die Zeit um war, hatte ich dementsprechend noch keinen Job, aber, wie ich dachte, ganz gutes Rüstzeug, um schnell einen zu finden. Seitdem bewerbe ich mich…

Trotz hervorragender Ausbildung, langer Berufs- und Lebenserfahrung, traut mir niemand zu, ohne „genau den richtigen“ Abschluss irgendeinen Job zu übernehmen.

Deutschland ist halt ein „Scheinland“: Keiner traut dir zu, dass du etwas kannst oder schnell erlernen kannst, wenn du keinen Beweis in Form einer Bescheinigung vorlegen kannst.

Dazu kommen natürlich noch zwei Punkte, die dir niemand wirklich ins Gesicht sagt, die aber dennoch gegen mich sprechen:

  • zum einen meine lange (und mangels Anstellung immer länger werdende) Auszeit wegen Krankheit: „Wer weiß, ob sie nicht gleich wieder krank wird…“
  • zum anderen ein gewisses „Alten-Bashing“: Mit 55 bin ich halt keine 30 mehr…  Laut Gesetzgeber habe ich noch rund 11 Jahre Arbeitszeit, ehe ich auch offiziell altes Eisen bin. Das ist nicht so wenig, dass es sich nicht lohnen würde, etwas Neues anzufangen. Aber hilft alles nix, keiner will es versuchen. Dabei bin ich geistig und körperlich fit und willens, mich nützlich zu machen.

Mir soll jedenfalls niemand erzählen, dass die deutsche Wirtschaft verzweifelt nach Arbeitskräften sucht. ( s.a.  29. Oktober 2018 …“Alte“ Frau rechnet ab: Jobsuche )

Das alles zehrt an Selbstvertrauen und Motivation. Bleibt also nur, die Zeit sinnvoll zu überbrücken. Genau da liegt der Hase im Pfeffer!
Wozu irgendetwas heute oder morgen machen? Interessiert eh keinen, merkt keiner.
Dieses „Nicht-gebraucht-werden“, „Unsichtbar-sein“, „Eher-Belastung-sein“ das macht mich fertig und mutlos.

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ABER WIE WAR DOCH GLEICH MEIN MOTTO?
                                    – Nur Fledermäuse lassen sich hängen! –

Haustiere und Musik gegen Einsamkeit und Verdummen und für Erfolgserlebnisse.

Ein Lichtblick sind natürlich meine Katzen.
Sie würden es selbstverständlich nicht zugeben, aber so ein bissel brauchen sie mich schon. Sei es auch nur als Futtergeber, Ablageplatz und Zeckenentferner.

Um nicht in das komplette, sinnlose Rumhängen abzugleiten, habe ich zudem einen lange gehegten Wunschtraum verwirklicht und nehme Harfenunterricht.
Das Lernen ist gut für meinen Kopf. Zudem hab ich so eine Aufgabe, die durch meine Lehrerin auch abgefragt und geprüft wird. Es gibt also etwas, das ich nicht endlos prokrastenieren will und kann.

Nebenbei: animiertes-lachen-bild-0032
Was ist das Ergebnis von Prokrastenation?
Ein Prokrastenat?

Gleichzeitig ist Harfe zu spielen so herrlich meditativ. Musik hebt ja ohnehin die Stimmung. – Ich merke, das war eine gute Entscheidung.

Tja und wenn jetzt doch noch ein nettes Jobangebot um die Ecke käme, dann wäre ich doch schon zufrieden. So einfach könnte es sein…


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