Gedichte

13. Juni 2021 – Die Rückkehr des Diktates

Die Diktatur der Personalpronomen
– Es kommt alles wieder –

§1

ich will nicht,
du kannst nicht,
er soll nicht,
sie darf nicht,
es wird bestraft,
wir brauchen’s nicht,
ihr habt es nicht,
sie stören eh bloß –

§2

deiner ist größer als meiner,
ihrer ist richtiger als seiner,
unser schwerwiegender als seiner,
ihrer aller wichtiger als euer –

§3

mir und dir machts niemand recht,
ihm und ihr wirds nicht erlaubt,
ihm und uns Bosheit unterstellt,
euch das Vertrauen entzogen,
ihnen Erfahrung abgesprochen –

§4

mich will keiner,
dich mag keiner,
ihn braucht keiner,
sie hält keiner,
es hat man längst verflucht,
uns erwartet keiner,
euch vermisst keiner,
sie alle hat keiner gesucht

Gedankensplitter

28. Dezember 2019 — Nach der Diät ist vor der Diät

 

Ein zeitgemäßes Akrostichon…wie nennt ihr die Tage nach größeren Fressorgien, wenn nix Neues gekocht sondern nur Reste vertilgt werden?

 

Advent und Weihnachten vorbei.
Unsere Gäste abgereist.
Festliche Stimmung mitgenommen.
Weihnachtsfest-Essensreste leider nicht.
Ärgerlich, zu schade für den Müll.
Reste essen also als Gebot der Stunde.
Mein Gewicht?
Personenwaagen werden weiträumig umgangen.
Her mit Braten, Suppe, Kuchen
Antispeckrollensport dagegen ohne Chance.
Schlaraffenland per Dekret.
Eine Diät als guter Vorsatz ab Januar…

maxundmoritz
…und vom ganzen Hühnerschmaus guckt nur noch ein Bein heraus. Max und Moritz – Wilhelm Busch

 

Übrigens bin ich diätmäßig sehr bei Frau Vro: fdH + Bewegung – mehr braucht’s nicht.

Gedankensplitter

3. Dezember 2019 — Vogeladvent

Trübselige Schneelosigkeit im Dunst versteckt.
Unwirklichkeit von Nebelfrauen gewoben.
Da, wo sie scheu ihre Schleier erhoben,
hab ich nur vage Schemen entdeckt.
Ein Grauzauberland, das die Fantasie erweckt.

Derweil am Futterbaum beim Morgenschmaus
da tauscht man Neuigkeiten aus.
Sie twittern über Kinder, Wetter, Federpflege.
Der dicke Spatz sitzt einer Meise frech im Wege.

Unter Getschilpe, Zwitschern, Flattern
mag jeder Leckeres ergattern
und kann beim Auf-den-Ästen-wippend-Sitzen,
ganz fix dem Nachbarn einen Happs stibitzen.

Am Fenster steh ich reglos um zu schauen.
in lächelnder Wärme durch ihre Freude, ihr Leben,
Ihr Treiben lässt im Vogeltakt den Weihnachtsbaum erbeben.
Kleine Federwolken zieh’n abschied-zwitschernd ins Himmelsgrauen.
Grußlos und leise ganz zuletzt entschweben die Nebelfrauen.

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Gedankensplitter

6. November 2019 — Gelegenheitslyrik II

Vom Selbstwert

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Ist’s Wasser auf meine Mühle?
Sind’s Panikflecken auf dem Radar?
Weiß nicht mehr, was ich fühle
nichts bleibt auf Dauer wahr.

Schwimme gegen die Wogen
den Strudel schon im Blick.
Wer hat den Stöpsel gezogen?
Gibt es ein Zurück?

Sah mich stets als Macher
hab so einiges geschafft,
doch die Flüge werden flacher
der Boden gewinnt an Haft.

Die Träume sind geblieben,
der Weg dahin wird lang.
Wirst du mich dennoch lieben?
Wofür? – frag ich mich bang.

 

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