Gedichte

13. Juni 2021 – Die Rückkehr des Diktates

Die Diktatur der Personalpronomen
– Es kommt alles wieder –

§1

ich will nicht,
du kannst nicht,
er soll nicht,
sie darf nicht,
es wird bestraft,
wir brauchen’s nicht,
ihr habt es nicht,
sie stören eh bloß –

§2

deiner ist größer als meiner,
ihrer ist richtiger als seiner,
unser schwerwiegender als seiner,
ihrer aller wichtiger als euer –

§3

mir und dir machts niemand recht,
ihm und ihr wirds nicht erlaubt,
ihm und uns Bosheit unterstellt,
euch das Vertrauen entzogen,
ihnen Erfahrung abgesprochen –

§4

mich will keiner,
dich mag keiner,
ihn braucht keiner,
sie hält keiner,
es hat man längst verflucht,
uns erwartet keiner,
euch vermisst keiner,
sie alle hat keiner gesucht

Gedichte

7. März 2021 – Freundschaft

Dein Leben hat ein paar Krisengebiete.
Du kommst um eine Lösung zu mir.
Doch wär nicht deins, was ich dir riete,
dein Lebensweg gehört ausschließlich dir.

Zuflucht, dir zuhörn, im Arm dich zu halten,
das ist, was ich dir bieten kann.
Dein Leben für dich umzugestalten,
o nein, das maße ich mir nicht an.

Lass uns dein Selbstvertrauen wecken,
lehn dich an mich und hör in dich hinein
nimm dir die Zeit, dich wiederzuentdecken
wo willst du hin, wer wirst du sein.






ABC-Etüden, Gedichte

ABC-Etüde KW 6+7 /2021 – Kein Anschluss unter dieser Nummer

Auch dieses Mal möchte ich Christianes Ruf folgen
und mich in die Schar der ABC-Etüden-Schreiber einreihen.
Die aktuelle Wortspende
Affe – neu – blockieren
stammt von Wortman.
Danke dafür. Ebenso wie an Christiane für Einladung und Titelbild.

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Als sie neulich ganz nebenbei erfuhr,
vom Affen her führe der Ahnen Spur,
da schrie sie laut und verzweifelt: „Oh, nein!
Die mag ich nicht! Ich will kein Affe sein!“

Der Schock hat ihr das Hirn blockiert,
weshalb sie weiter lamentiert
vom gegenseitigen Lausen und Flöhen,
von dicken, leuchtend roten Popöen,
vom selbstherrlich Trommeln auf die Brust
und immer größer wird ihr Frust.

Verzweifelt sie einen Ausweg sucht,
wobei sie herzhaft Darwin verflucht.
Nur will sie auch kein Rippchen sein.
Ein Teilstück vom Manne? Danke. Nein.

„Nur KEINE PANIK, das sagst du so,
ich werd meines Lebens grad nicht froh.
’ne neue Herkunft will ich haben
zur Not nehm ich auch Weltraumschaben.“

„Lies Douglas Adams, empfehle ich dir.
Er bietet für’n Stammbaum ohne OP und Getier
in seinem ‚Per-Anhalter-durch-die-Galaxis‘-Roman,
E.T., den Telefon-Desinfizierer, als Ahnen an.“

Photo by jorien Stel on Pexels.com















Gedankensplitter, Gedichte

4. Januar 2021 – Kopfstand

Das Folgende war ein „Spontanausbruch“ beim Anschauen der vier Januar-Bilder für Myriades Impulswerkstatt.

Bei diesem Foto erinnerte ich mich gleich an eines, das ich vor Jahren in Erfurt gemacht habe.
Darin spiegelt sich der Dom in einer großen Pfütze und es sieht aus, als stünde er Kopf. (Ich muss glatt mal suchen, ob es dieses Bild noch gibt.)
Dies war der Auslöser, auch das Impulsbild probehalber mal um 180° zu drehen.
Heraus kam ein „lebender Bau“.

Es flimmert und flirrt,
es verschwimmt und verwirrt,
hier ein Zick und da ein Zack.
So ein schöner Schabernack,
wie die Strenge hier verschwindet,
neue Form das Ganze findet.
Zuvor nur eckig und grau in grau
wirkt plötzlich lebendig der triste Bau.

Die Möwe, kopfüber, kühl und gelassen:
„Oh diese Menschen, es ist nicht zu fassen.“.
Dass sie noch immer da sitzt, wird wohl daran liegen:
Sie hat es nicht eilig, kann ja jederzeit fliegen.