ABC-Etüden, Depression

ABC-Etüde KW 47/48 2020 – Novembertief

Die letzte Runde der ABC-Etüden für 2020 wurde von Christiane eingeläutet.
Die Wortspende kommt von Ulli Gau mit ihrem Blog Café Weltenall:

Quelle, griesgrämig und stöbern lauten die diesmal zu verwendenden Begriffe.

Novembertief

Grau und trostlos ist die Aussicht aus dem Fenster. Das Haus ist windumtost. Es regnet.
Das ist einer dieser Tage zum griesgrämig vor sich hinpusseln, einer der Tage, an denen ich doch froh bin, keinen Hund zu haben und nicht raus zu müssen, einer der Tage, die einfach nur Energie fressen.

2020 strebt dem Ende zu, ein Jahr der Einschränkungen, der Abschiede.
Ich brauche nicht lange in meinem Inneren zu stöbern, um die Quelle dieser hoffnungslos missmutigen Stimmung zu finden.

Die Feier zum 75. meiner Mutter? Gestrichen! Skypen diente als dürftiger Ersatz für Nähe.
Ob wir uns Weihnachten treffen können, scheint fragwürdig.

Mit 90 Jahren ist die Patentante meines Mannes letzten Freitag verstorben. Auch ihre Geburtstagsfeier im Juni fiel coronabedingt aus.
Wenigstens haben wir sie im September noch einmal besuchen können, denn derzeit ist unklar, ob wir überhaupt an der Beerdigung teilnehmen dürfen.
Ein Abschied ohne Abschied.

Vorgestern hat mein Kollege mir eröffnet, dass er gekündigt hat.
Für eine kleine Firma wie die, in der ich seit Januar arbeite, ist das schwer abzufangen.
Als ich anfing, waren wir zu fünft. Im August ging der erste, Ende Januar wird nun der zweite einen neuen Job beginnen. Dann sind wir nur noch zu dritt, Chef, Chefin und ich.
Zwar wird ab Februar ein Neuer erwartet, nur ist unklar, wer ihn dann wohl einarbeiten kann.
Mein Arbeitsvertrag wird am 30. Juni enden. Geplant ist (war?), ihn dann in einen unbefristeten umzuwandeln. Das scheint mir unter diesen Voraussetzungen fragwürdig.
Ein absehbarer Abschied?

Vielleicht sollte ich schon langsam wieder anfangen, mich auf Jobsuche zu begeben? Morgen vielleicht. Heute will ich einfach nur hier sitzen.
Ein bissel musizieren, ein bissel lesen, ein bissel vor mich hingrummeln, ein bissel Katzen streicheln.
Ach ja, in manchen Tagen ist einfach der Wurm drin.

-293 Wörter-

Depression, Gedankensplitter

15.Oktober 2020 – Standortbestimmung

Da habe ich gestern meine Impressionen einer kurzen, sonntäglichen Autofahrt von nur einer Stunde beschrieben. Von einer Stunde der bewussten, ungehetzten Wahrnehmung.
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Warum eigentlich?

Ich kann nicht immer nur darauf schauen, was schief läuft, was schrecklich ist, wo eingegriffen, wogegen gekämpft werden muss, so wie mit Scheuklappen, die alles Störende ausblenden. Das zehrt mich aus.

Wir kämpfen unser Leben lang GEGEN so vieles: Weltwichtige Dinge, privatwichtige Dinge, Dinge, die einer dringenden Änderung bedürfen, die nach uns, unserer Aufmerksamkeit, unserer Kraft, unserer Hilfe rufen.

Innehalten, mich umschauen, Schönes ansehen und mich daran erfreuen, hilft mir, das WOHIN und WIE zu verstehen, zu definieren:
Woran werde ich mein Ziel erkennen, wenn ich angekommen bin?
Nach welchen Kriterien wähle ich meinen Weg?

Ich habe Angst um alles, was trotz allem schön und friedlich und JETZT ist, um das, woraus ich immer wieder Lebenskraft und Hoffnung ziehe.
Ich habe Angst, dass es rigoros hinweggefegt wird, dass am Ende alles nur anders, aber nicht besser sein wird.
Das ist es, warum ich versuche, schöne Momente festzuhalten.

Ich habe Angst, „Alles wird besser, aber nichts wird gut“.
Der Satz ist natürlich geklaut, hier ein YouTube-Link zu den Urhebern.

Silly – Alles wird besser …


Depression, Gedichte

10. März 2020 – Kraft tanken

Wenn doch alles gesagt ist,
sinnvolles Tun mir nicht bleibt…
Was ist es, das mich dennoch weitertreibt?

In diese Situation komm jeder, mal öfter, mal seltener. Die Antwort auf die Frage fällt natürlich auch unterschiedlich aus.
Wie ist es bei dir?

Für mich war hilfreich zu erlernen, welches meine Kraftquellen sind und wo Energievampire lauern, denn anderenfalls gewinnt die Depression und das lasse ich nicht zu.

Wo tanken wir auf, wenn die Batterie leer zu bleiben droht?

Für mich gibt es einige Zapfsäulen:
Meine Katzen, die Natur, Musik hören und machen, handwerkeln und lesen, lesen, lesen.
In jedem Fall heißt es für mich: Die innere Ruhe finden, der Sinnentleertheit die Stirn bieten und schauen, wie und wo es weiter geht.

In diesem Sinne.
Einen schönen Tag euch allen.