ABC-Etüden

ABC-Etüde KW 38 + 39 /2022 – Erfrischung

Kennt ihr Christian Morgensterns Gedicht vom „ästhetischen Wiesel“ ?
Daran erinnerte ich mich, als ich Ellens (ihr Blog heißt nellindreams) Wortspende in Christianes Einladung las: 
Regentonne – sensibel – schwanken
… und auch an die Muslima, die ich im Urlaub baden sah, natürlich komplett bekleidet …

Erfrischung

Strahlend schien die Sommersonne
als schwitzend im vollen Ornat
eine jede ihre Gartenarbeit tat.
Salbungsvoll sprach Mutter Beatrix
vom ehrlichen Schweiße
und gottgefälligem Fleiße.
„Mir ist zu heiß, das wird so nix“,
dachte des Klosters jüngste Nonne.

In die Regentonne, die frisch gefüllte.
sprang sie deshalb kurzerhand
aber o weh! nur im Untergewand
Der Wasserspiegel schwankte,
während sie noch tiefer sank
und vom kühlen Wasser trank
gedanklich dem Herrn für die Erfrischung dankte.
Da naht‘ die Oberin zornig und brüllte.

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„Du schamloses Kind, was tatest du hier?
Hätt‘ dich so irgendein Mann gesehen,
Dann wäre es um dich geschehen.“
Drauf war unser Nönnchen so weise
den Kopf scheinbar brav tief zu senken,
und sich ihren Widerspruch nur zu denken.
Die Oberin (inzwischen gefasster und leise):
„Anziehn! Sofort! Und ab ins Haus mit dir!“

Sie halfen ihr raus aus ihrer Tonne.
Mutter Beatrix reicht‘ ihr das Handtuch an,
wonach sie gleich zu salbadern begann.
Von Gottes großem Strafgericht
sprach sie, von Lastern und anderem Übel
dass jeder, der nur etwas sensibel,
dies doch wohl meide, oder nicht?
„Ich hab’s gleich gesagt“, sprach sie voll Wonne,
„Aus dir wird nie ’ne gute Nonne.“

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ABC-Etüden

ABC-Etüde KW 36+37 /2022 – Immer Ärger mit dem Personal

Der Sommer neigt sich dem Ende zu und das 2. Semester der ABC-Etüden für 2022 hat begonnen.
Christianes Einladung besagt diesmal Folgendes:
Bitte schreibt einen Text aus maximal 300 Wörtern, der die Worte „Brechreiz“, „buchstabieren“ und „anschmiegsam“ enthält.

Na dann…

Immer Ärger mit dem Personal

Ein toller Urlaub auf Rhodos war vorbei. Gut erholt, voller schöner Eindrücke, braun gebrannt sollte es nun nach Hause gehen…
Der Heimweg war abenteuerlich.
Statt abends halb elf in Hamburg landeten wir morgens um halb 1 in Hannover. Dann ging es per Bus zum Flughafen Hamburg. Nach einer morgendlichen Wanderung vom Taxistand „Ankunft“ zum Taxistand „Abflug“ habe wir endlich ein Fahrzeug ergattert und waren um 4 Uhr daheim.
Wir waren hundemüde.
Den Katzen war das egal.
Herr Kater kam uns zwar entgegen, hatte aber zunächst nur einen bitterbösen, stahlblauen Blick für uns und fremdelte. „Wer seid ihr? Was wollt ihr hier? Ihr stört!“.
Zum Glück ist er aber durchaus bestechlich. Nach einigen Leckerchen durfte ich ihn sogar wieder streicheln.
Seine Verzeihung für vierzehntägiges Alleinlassen mit der (zickigen) Katze und der Nachbarin als Katzensitterin schien demnach erreichbar.
Anders die Prinzessin, manchmal (natürlich nur heimlich) auch kleine Ziege genannt:
Madamchen glänzte durch Abwesenheit.
Als ich sie endlich auf dem Dachboden am Fenster entdeckte, wurde ich von ihrem jadegrünem Laserblick regelrecht gelyncht.
Fauchend rannte sie an mir vorbei. Das schwingende Wohlstandsbäuchlein verriet eindeutig, dass sie zwischenzeitlich keinen Hunger leiden musste. (Und ich weiß, wie liebevoll meine Nachbarin mit den beiden umgeht.) Aber hier ging es eindeutig ums Prinzip!
Sie verschwand also als wandelnder, lebender Vorwurf lautstark die Treppe hinab nach draußen. Hätte sie „Bleib mir weg! Ich hasse dich!“ buchstabiert, so wäre das auch nicht deutlicher rübergekommen.
Erst am Vormittag ward sie wieder sichtbar. Von anschmiegsam jedoch nach wie vor keine Spur. Stattdessen wurde das Missfallen über die lange Abwesenheit des Personals noch einmal verdeutlicht, indem sie mitten auf dem Teppich den berühmten kätzischen Brechreiz-Countdown zelebrierte.
Heute, eine Woche später, bin ich mittlerweile bei beiden von einer Persona non grata wieder zur akzeptierten Dosenöffnerin mutiert.
Da hab ich echt noch mal Glück gehabt.
–300 Wörter —

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ABC-Etüde KW 25 + 26 / 2022 – Baumkrise V

Für den Etüden-Endspurt vor der Sommerpause durfte ich die Wörter spenden.
Ich habe mich für Wiedergeburt, antanzen und blümerant entschieden.
Hier kommt der letzte Teil meiner Geschichte rund um Mysterienmuseum und Weltenbaum.
Christianes Einladung und sämtliche Etüden zu diesen Wörtern sind hier zu finden.

Baumkrise V

Es vergeht einige Zeit, dann hören die Wartenden im Konferenzraum wie Carry, Djalu und Keyser zurückkommen.
„Und? Was können wir tun?“, der Direktor möchte schnell zum Punkt kommen.
Djalu blickt ernst in die Runde.
„Ich weiß nicht genau, was sie sich vorgestellt haben. Dass ich herkomme, den Baum ein bisschen antanze und alles ist wieder gut?“ Keyser schaut ertappt.
„Lassen sie mich ihnen erklären, wie ich das Ganze sehe. Sie haben die wunderbare Entdeckung eines Schösslings des Weltenbaums gemacht und das erste, was ihnen einfällt, ist, ausbuddeln und mitnehmen.“
„Doch aber nur um ihn zu schützen“, kommt es zaghaft von Carry.
„Das ist im Prinzip lobenswert, aber hätte man ihn auch in situ schützen können. Stellen sie sich vor, er ist ein Kind, das aus seiner gewohnten Umgebung gerissen, dass von Freunden und Familie getrennt in eine sterile Einsamkeit verpflanzt wird. Was soll daraus werden? Ein Psychopath? Ein Selbstmörder?“ Den Anwesenden sieht man an, dass ihnen langsam blümerant wird, als ihnen aufgeht, was sie angerichtet haben.
„Der Weltenbaum hat eine Aufgabe, er steht als Sinnbild für die sichere Wiedergeburt allen Lebens. Aber wer würde so leben, so wiedergeboren werden wollen? In einem Glaskasten, für Geld angestarrt, gefangen?“ Er schüttelte den Kopf. „Niemand. Aber wir Menschen mischen uns überall ein. Wir maßen uns immer wieder an zu entscheiden, was für andere Wesen richtig und gut ist. Ich kann dem Bäumchen nicht helfen. Das können nur sie und nur auf eine Weise. Bringen sie es zurück nach Hause. Anderenfalls wird der kleine Baum eingehen und mit ihm all die Hoffnung, die er in sich trägt.“
Eindringlich schaute er jedem Einzelnen in die Augen. „Ich bitte sie von ganzem Herzen darum: Bringen sie ihn heim.“
Schon am nächsten Tag startete eine Privatmaschine. An Bord befanden sich Carry, Djalu und eine große Transportkiste.

-E N D E-

-299 Wörter-

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ABC-Etüde KW 25 + 26 / 2022 – Baumkrise IV

Für den Etüden-Endspurt vor der Sommerpause durfte ich die Wörter spenden.
Ich habe mich für Wiedergeburt, antanzen und blümerant entschieden.
Hier kommt der vierte, wahrscheinlich vorletzte Teil meiner Geschichte rund um Mysterienmuseum und Weltenbaum.
Christianes Einladung und sämtliche Etüden zu diesen Wörtern sind hier zu finden.

Es ist Abend im Mysterienmuseum. Die letzten Besucher sind längst gegangen, das Museum ist für heute geschlossen. Alle warten gespannt und hoffnungsvoll auf die Ankunft des australischen Schamanen.

Baumkrise IV

„Jetzt setzen sie sich doch endlich mal hin, Carry. Dieses Hin- und Her-Gelaufe macht uns alle noch nervöser.“ Der Direktor klingt angespannt.
Da endlich sind zwei Männerstimmen zu hören. Die Tür zum Konferenzraum wird geöffnet. Karl führt den Schamanen herein und stellt ihm die Anwesenden vor. Diese schauen irritiert auf den großen, durchtrainierten, maximal 40-jährigen Aborigine. So hatten sie sich einen Schamanen nicht vorgestellt. Dieser blickte amüsiert in die Runde.
„Ich freue mich, hier sein zu dürfen. Mein Name ist Djalu. Ich bin Schamane der Pitjantjatjara. Bitte erzählen sie mir, wie ich helfen kann.“
Der Direktor nickte Carry zu. „Dr. Brehm wird ihnen alles berichten.“
Carry erzählte also noch einmal ausführlich, wie sie an den Weltenbaum-Ableger gekommen waren und welche Maßnahmen ergriffen worden waren, um ihn im Museum artgerecht anzusiedeln.
„Gut, dann lassen sie uns den Patienten besuchen, danach sehen wir weiter.“
Damit drehte sich Djalu zur Tür um. Carry beeilte sich, ihm den Weg zu zeigen.
Als die beiden gegangen waren, sahen sich die restlichen Versammelten betreten an.
Keyser murmelte: „Ob er den Baum jetzt antanzt?“ Valentina zuckte mit den Schultern: „Wenn’s hilft …“
Der Direktor wandte sich an Karl. „Woher kennst du ihn eigentlich? Der Typ sieht eher nach Big Business als nach Naturheiler aus.“
„Ja, so hab ich ihn auch kennengelernt. Bei einem Geschäftsessen in Alice Springs. Er ist einer der wenigen, die es aus der Armut geschafft haben und versucht nun etwas Grundlegendes für seine Leute zu tun. Dass er ein hoch angesehener Schamane ist, erfuhr ich später. Er sagt, dass die Heilmagie beim Tod eines Schamanen in dessen erwähltem Nachfolger eine Art Wiedergeburt erlebt.“
Der Direktor wirkte noch immer irritiert: „Ich muss gestehen, mir ist eher blümerant bei dem Gedanken, dass er womöglich unsere letzte Hoffnung ist. Keyser, gehen sie mal schauen, was die beiden treiben.“

–300 Wörter–

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ABC-Etüde KW 25 + 26 / 2022 – Baumkrise III

Für den Etüden-Endspurt vor der Sommerpause durfte ich die Wörter spenden.
Ich habe mich für Wiedergeburt, antanzen und blümerant entschieden.
Hier kommt der dritte Teil meiner Geschichte rund um Mysterienmuseum und Weltenbaum.
Christianes Einladung und darüber der Zugang zu all den anderen Geschichten findet sich hier.

Im Konferenzraum des Museums knisterte es förmlich vor Anspannung. Würde der Schatzsucher mit dem berühmten Namen helfen können, den kleinen Weltenbaum zu retten?

Baumkrise III

Alle warteten, dass Dr. Jones sich meldete. Dann erschien er tatsächlich auf der Videowand und sah aus wie die Wiedergeburt von George Hall.
„Herr Direktor, meine Damen und Herren, ich grüße sie. Lassen sie uns gleich starten. Frau Dr. Brehm können sie mir schildern, wo ich helfen kann?“
Carry nickte und begann: „Der kleine Ableger, den sie uns besorgt haben, schien zunächst gut zu gedeihen. Wir hatten ja ordentlich Boden vom Ursprungsort rund um den Wurzelballen. Einen Teil dieser Erde haben wir genau analysiert und die Pflanzstelle entsprechend aufbereitet. Gemeinsam mit unserem Meteorologen wurde ein passendes Klimaprofil erstellt und umgesetzt. Mehrmals täglich habe ich alles überprüft. Aber nun, nach den ersten hoffnungsvollen Wochen, fing der Baum an zu welken und die Äste hängen zu lassen, wie eine kleine Trauerweide. Zuerst dachte ich an Schädlinge im Boden oder in der Luft, aber da ist alles in Ordnung. Was könnte da sonst passiert sein?
Der Schatzsucher überlegte lange, dann schüttelte er ratlos den Kopf.
„Gab es vielleicht noch irgendwelche besonderen Vorkommnisse im Zusammenhang mit ihrem Fund?“ fragte Keyser.
„Etwas war schon seltsam. Während wir das Bäumchen ausgruben und verpackten, wurden wir pausenlos von Raubvögeln attackiert. Uns war echt blümerant zumute. Und als wir am Flughafen die Transportbox vom Wagen holten, waren außer dem Baum auch noch zwei Eichhörnchen drin. Waren wohl von meinen beiden Mitarbeitern eingesperrt worden. Na, die hab ich antanzen lassen, sag ich ihnen. So geht das ja nicht. Wir haben die Tierchen natürlich freigelassen. Zum Glück ist dem Baum nichts passiert.“
Der Direktor wirkte nachdenklich. „Wäre es denkbar, dass eine Art Symbiose zwischen dem Baum und diesen Tieren besteht?“
„Klar. Denkbar schon. Aber wie soll das gehen?“
„Darüber müssen wir wohl noch einmal in Ruhe nachdenken. Fürs erste herzlichen Dank, Dr. Jones. Ich halte sie auf dem Laufenden.“

— 299 Wörter —

NB:
Der 2002 verstorbene George Hall war ein kanadischer Schauspieler, der in der Fernsehserie „Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“ (The Young Indiana Jones Chronicles) den rückblickenden, Geschichten aus seinem Leben erzählenden, 93-jährigen Indy spielte.