Gedankensplitter, Gedichte

18. Juni 2022 – Stumpfsinn am Steuer

Der Titel sagt eigentlich alles.
Das folgende Liedchen auf die Melodie von „Der Kuckuck und der Esel“ entstand während einer langweiligen Autobahnfahrt auf der A7 als Stauablenkung.
(Inklusive der zu singenden Silbenwiederholungen 😉)


Vielleicht entlockt es dir ein Lächeln. Das wäre prima.

Cortana und die Siri
die hatten einen Streit
We-her wohl am besten fände
We-her wohl am besten fände
’nen Link in kurzer Zei-hei-heit,
’nen Link in kurzer Zeit.

Cortana sprach: „Das kann ich.
Sag an, was soll es sein“.
„I-ich aber bin viel schneller,
i-ich aber bin viel schneller“
mischt sich die Siri ei-hei-hein,
mischt sich die Siri ein.

De-hen Streit musst‘ ich vertagen.
Weil: ein Netz hatt‘ ich grad nicht.
Wi-hill mich nicht weiter plagen,
Werde wohl wann anders fragen.
Denn offline geht das ni-hi-hicht.
Nein offline geht das nicht.

Roadrunner -Wegekuckuck: Photo by Pixabay on Pexels.com
Depression

Depression: Auf und Ab in Lockdown-Zeiten

Nachdem ich zwei Jahre lang mehr oder weniger daheimgesessen hatte, in denen ich mir mit Bewerbungen erfolglos die Zeit vertrieb, kam mir Ende 2019 dann der Zufall zu Hilfe, frei nach dem Motto: „Beziehungen schaden nur dem, der keine hat.“
Ich war mal wieder beim Friseur (der Schimmel musste vom Dach).
Meine Friseurin sprach mich an: „Du machst doch irgendwas mit IT?“
„Ja?“
„Suchst du immer noch einen Job?“
„Ja.“
„Dann hab ich was für dich. Ist eine kleine Firma, die suchen Mitarbeiter. Ich hab da selbst mal gearbeitet, toller Chef, melde dich dort mal. Die wissen schon Bescheid.“

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich nur: „Krass! Da rennst du zu offiziellen Arbeitsvermittlern in der Arbeitsagentur, meldest dich bei x Personaldienstleistern an, … dabei braucht es nur einen Friseurbesuch?“

Irgendwas mit IT?

Natürlich war ich skeptisch. „Irgendwas mit IT“ ist ja nicht gerade eine erschöpfende Aussage und kann so ziemlich alles bedeuten.
Daheim hab ich mir also die Website des Unternehmens angeschaut.
Mmmh? Wie ich in eine Firma passen sollte, die veraltete Lagertechnik wieder auf neuesten technischen und sicherheitstechnischen Stand bringt (der Terminus dazu ist „Retrofit“), das sah ich noch nicht.

Da ich jedoch nichts zu verlieren hatte, rief ich an. Es wurde ein sehr nettes Gespräch mit dem Firmenchef. Wir vereinbarten, dass ich ihm meine Bewerbungsunterlagen schicke, dass er „sich etwas für mich überlegt“.
Genau genommen habe ich damit gerechnet, daraufhin nichts mehr von ihm zu hören.
Doch weit gefehlt. Nach zwei weiteren Telefonaten sowie einem ausführlichen Gespräch in der Firma hatte ich ein Angebot für einen Arbeitsvertrag für eine Teilzeitstelle, genauso wie ich es mir gewünscht hatte.
Zunächst war er befristet für 1,5 Jahre mit Aussicht auf einen unbefristeten Vertrag im Anschluss. Mittlerweile habe ich den unbefristeten Vertrag.

Dass mein Chef mir zutraute, mich in Neuland einzuarbeiten, dass er mir die Chance und die Zeit dazu gab, hat mich sehr aufgebaut.
Nach all den Rückschlägen, dem wachsenden Gefühl der Nutzlosigkeit, Überflüssigkeit endlich wieder wahrgenommen zu werden, das hatte ich dringend gebraucht.
Es tat gut, diese Aufmerksamkeit zu bekommen.
Das zweite Highlight Anfang 2020 war der Harfenbaukurs, an dem ich im Februar, noch kurz vor dem ersten Lockdown, teilnahm.
Seitdem habe ich meine eigene, selbst gebaute Harfe. Ich bin stolz wie Bolle. Sie heißt Adelheid.

Adelheid

Insofern hat dieses anstrengende covid-19-lastige Jahr für mich auch einen ordentlichen positiven Schub gegeben.
Doch es kam wie immer.
Gerade wenn du denkst: „Jetzt läufts mal wieder“, ist es auch schon vorbei damit.
Das Universum hat wohl einfach etwas dagegen, dass es uns zu gut geht.
Der Rest des Jahres war eher so semi. Es kamen Todesfälle, es kam Stress in der Familie und dazu natürlich die vielfältigen virenbedingten Einschränkungen: Keine runden Geburtstage feiern, keine persönlichen Treffen mit der Familie, kein richtiger Urlaub.

Es war höchste Zeit, mich an meine eigenen Ratschläge zu erinnern.

Covid-19 ist für jemanden wie mich, die ich ohnehin zum Einzelgängertum neige, natürlich ein guter Grund, Menschen aus dem Weg zu gehen.
Doch ich spüre, dass mich dann jeder unvermeidliche Kontakt außerhalb meines üblichen Kreises (Ehemann und 3 Arbeitskollegen) doppelt anstrengt.
Ein Lockdown, ob nun hart oder weich, tut der Seele nicht gut.
Meine Tage wurden immer grauer.

Ich musste aufpassen, nicht wieder in alte Muster zu verfallen.
Musste mich daran erinnern, dass ich meine Freizeitaktivitäten nicht wieder auf null fahre, dass ich mir meine Auszeiten nehme.
Dies gelingt bis heute nach mittlerweile zwei Lockdown-Jahren unterschiedlich gut, ist phasenabhängig.
Hilfreich ist, dass ich ja inzwischen die Zeichen kenne.
Wenn meine Migräne sich zurückmeldet, wenn mein Magen rebelliert, dann ist Alarmstufe gelb. Dann muss ich innehalten, muss schauen, wo ich stehe und was da droht, wieder aus dem Ruder zu laufen.
Musizieren und Schreiben sind wichtige Stützen für mich.
Gerade der Versuch, beim Schreiben positiv zu sein, braucht Überwindung und ist anstrengend. Jedoch wenn es klappt, dann baut es auf.
Natürlich muss ich mir manchmal auch einfach Frust und Kummer von der Seele schreiben. Aber ich bin über die ABC-Etüden in einer kleinen feinen Gruppe gelandet, in der ich mich gut aufgehoben und gefordert fühle.

Es zeigt sich halt immer wieder, dass dieser innere Krieg nicht irgendwann einfach vorbei ist; dass der schwarze Hund nicht freiwillig Ruhe gibt, sich in eine Ecke legt und da liegen bleibt.
Außenstehende reagieren da verständlicherweise oft auch verständnislos.
Sind der Ansicht: Irgendwann ist ja nun auch mal gut!
Schön wär’s.
Ich arbeite dran.

Photo by Ali Mu00fcftu00fcou011fullaru0131 on Pexels.com

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ABC-Etüden

ABC-Etüde KW 23 + 24 /2022 – Der Wurstzipfel

Zur Wortspende (Yachtklub-besenrein-abspecken) von Anja mit ihrem Blog Annuschkas Northern Star aus Christianes aktueller Schreibeinladung fiel mir sofort der Katamaran des Direktors vom Mysterienmuseum ein.
Daher heute mal wieder eine Etüde unter dem Motto: „Neulich im Museum“.
Das schöne Titelbild wurde, wie immer, von Christiane gestaltet.

Der Wurstzipfel

„Unverschämtheit!“, Keyser hielt an der Tür inne.
„Keyser, kommen sie mal!“ Tief durchatmend öffnete er die Tür.
„Ja, Chef?“
„Dieser DI-PLO-MAT“, der Direktor sprach das Wort aus wie ein Schimpfwort, „glaubt tatsächlich, er könne mit mir Spielchen spielen.“
Keyser atmete innerlich auf, der Chef hatte ein neues Feindbild. Da war der Krug an ihm vorbeigegangen. „Was ist geschehen?“
„Dieser Typ hat sich vor Kurzem den Vorsitz in dem Yachtclub erkauft, in dem auch mein Katamaran einen Liegeplatz hatte.“
„Wieso ‚hatte‘ ?“
„Da er irgendeinem Parteifreund Mitgliedschaft im Klub versprochen hat, es aber keinen freien Platz gibt, hat er mir gekündigt. Mit der Begründung, dies sei ein privater Verein und mein Katamaran eher ein Dienstfahrzeug.“
„Und heute das…“ Der Direktor zeigt erbost auf sein Notebook.
„Er meint, wir sollten noch mal über die Angelegenheit reden, möglicherweise habe er da etwas übereifrig agiert.“
„Warum? Hat er etwa Ärger gekriegt?“
„Nein, denn jetzt kommt es: Er habe da ein kleines Problem, bei dem er meine Hilfe braucht. Er müsse dringend abspecken, jedoch bei den ständigen Geschäftsessen sei jede Diät sinnlos; für Sport habe er keine Zeit; die gängigen Diätpillen brächten auch nichts. In unserem Museum gäbe es doch sicher ein magisches Artefakt, das ihm helfen könne.“
„Das ist echt frech.“
„Der glaubt tatsächlich, wenn er mit einem Wurstzipfel vor meiner Nase wedelt, dann springe ich los wie Pawlows Hunde. Typisch Politiker.“
Keyser verbarg sorgfältig ein Lächeln, welcher Esel schimpfte da einen anderen Langohr?
„Der kriegt noch heute seinen Liegeplatz besenrein übergeben. Die Überführung des Katamarans ist bereits organisiert. Soll er sehen, wie er sein Fett selbst wegkriegt!“
Nun grienten doch beide.
„Chef, da wäre noch was Wichtiges: Der Ableger des Weltenbaums sieht krank aus. Wir brauchen dringend jemanden, der sich auskennt.“
„Verdammt! Rufen sie schnellstens alle zusammen zur Krisensitzung – mit Kaffee und Schnittchen.“

— 300 Worte –

ABC-Etüden

Extraetüde KW 22 / 2022 – Im Unwetter

Diese Woche ist Extra-Etüdenzeit nach dem Motto „Mindestens fünf aus sechs in maximal fünfhundert“.
Die sechs Mai-Worte sind:
Giraffe, mondsüchtig, suchen, Wetterbericht, ordentlich, irisieren.
Die Einladung kam, wie immer von Christiane.
Kombiniert ist das Ganze mit der Idee eines Textrahmens („Sie öffnete die Tür“ … „dann ging sie.“) von Myriade aus ihrer Impulswerkstatt.
Danke an euch beide.

Im Unwetter

Sie öffnete die Tür.
Vor ihr stand eine Giraffe. Um den langen Hals hing ihr ein ordentlich geschnürtes Päckchen.
Das Tier blickte sie aus lang bewimperten, dunklen Augen bittend an: „Verzeihen sie die Störung, mein Name ist Pamela. Ich bin auf der Durchreise. Eben hörte ich im Wetterbericht, dass eine Sturmfront heranzieht. Nun suche ich dringend ein Quartier. Kann ich mich wohl so lange bei ihnen unterstellen? Ihr Haus schien mir hoch genug, damit ich hereinpasse.“
Völlig perplex öffnete sie die Tür ganz und Pamela (Pamela? Echt jetzt?) trabte an ihr vorbei in den hohen Flur ihrer alten Bock-Windmühle, die sie in den letzten zehn Jahren liebevoll restauriert hatte.
„Kann ich ihnen vielleicht etwas anbieten, Pamela? Mein Name ist übrigens Katja.“
„Vielen Dank Katja, wenn sie etwas Wasser für ich hätten, das wäre toll.“
Katja nickte. Sie stand immer noch völlig neben sich. Eine sprechende Giraffe? Auf der Durchreise? Mitten in Deutschland? – Das glaubte ihr kein Mensch. Jeder würde sie ansehen, als sei sie mondsüchtig.
In ihrer Küche angekommen überlegte sie, wie sie das Wasser wohl anbieten könnte. Schließlich nahm sie kurzerhand den Wischeimer, säuberte ihn noch einmal gründlich und füllte ihn mit frischem kalten Wasser.
Inzwischen hatte sich der Himmel tatsächlich komplett verdunkelt. Ab und zu schaffte es dennoch ein Sonnenstrahl durch die dichte Wolkendecke. Wenn er auf das fließende Wasser traf, irisierte jedes Mal ein kleiner Regenbogen unter dem Wasserhahn.
Mit dem Eimer voll Wasser trat Katja zurück in den Flur.
„Oh vielen Dank, das ist wirklich sehr freundlich.“ Pamela hatte inzwischen ihr Päckchen abgelegt und trank nun durstig.
Katja setzte sich auf die unterste Treppenstufe. „Darf ich fragen, wie sie das meinten, sie seien auf der Durchreise?“
Die Giraffe hob den Kopf. „Natürlich. Es ist so, dass ich als Au-pair in Hamburg war. In Hagenbecks Tierpark gab es zwei verwaiste Junggiraffen. Um die hab ich mich gekümmert. Jetzt sind sie groß und ich bin auf dem Weg nach Hause, nach Afrika.“
„Ja, aber wie kommen sie denn heim? Hat ihnen der Zoo keine Heimreisemöglichkeit angeboten?“
„Doch natürlich, aber ich laufe lieber. So eingezwängt in Transportkisten zu reisen, das ist nichts für mich. Ich wandere von Tierpark zu Tierpark bis Frankreich. Ich will noch so viel wie möglich unterwegs sehen. Besonders Türme und Hochhäuser interessieren mich. Wenn ich daheim erzählen kann, dass ich den Eiffelturm besucht habe, dann werde ich berühmt. Na ja, von Marseille werde ich nach Marokko übersetzen, ich kenne da von der letzten Fahrt noch einen netten Kapitän. Ab Marokko ist es nicht mehr so weit bis zu meiner Familie. Ich denke, ein halbes Jahr werde ich insgesamt wohl brauchen.“
Eine Zeitlang herrschte freundliches Schweigen zwischen den beiden, gelegentlich unterbrochen von Pamelas Trinkgeräuschen.
Währenddessen lauschten sie dem abziehenden Gewitter.
Dann …
„Ach sehen sie, Katja, das Unwetter ist schon vorbei. Da kann ich mich wieder auf den Weg machen. Herzlichen Dank noch einmal.“ Während Pamela ihren Rucksack wieder aufnahm, öffnete Katja immer noch verwirrt die Tür. Die Giraffe zwinkerte ihr noch einmal freundlich zu.
Dann ging sie.

— 499 Wörter —

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Nachtrag:
Mein Verhältnis zu Tierparks ist eher zwiespältig.
Aber Tierparks als eine Art Hotel für Tiere auf Wanderschaft, die sich die Welt anschauen wollen? Mmmmh …
Ich sehe schon die Zugvögel in langen Schlangen vor dem Check-In
und die Waschbären
und …