Gedankensplitter

26.Februar 2022 – und manche sind gleicher

Ein ausgesprochen beeindruckender Film fällt mir in letzter Zeit immer wieder ein:
„Die Jury“ von 1989 nach dem gleichnamigen Roman von John Grisham, mit Matthew McConaughey, Sandra Bullock und Samuel L. Jackson in den Hauptrollen.
Für alle, die die Geschichte nicht kennen: Nachdem seine zehnjährige (schwarze) Tochter von zwei betrunkenen Weißen brutal vergewaltigt worden ist, greift der Vater (Samuel L. Jackson) in Zweifel am amerikanischen Rechtssystem zur Selbstjustiz, tötet die beiden Täter und verletzt dabei auch einen Polizisten schwer. Daraufhin droht ihm die Todesstrafe. Der junge Anwalt Jake Tyler Brigance (Matthew McConaughey) übernimmt die Verteidigung.

Der Film ist insgesamt unbedingt sehenswert, aber die für mich wichtigste Szene ist das Schlussplädoyer des Verteidigers.
Er bittet die (durchweg weiße) Jury, die sich intern schon längst auf die Todesstrafe für seinen schwarzen Mandanten geeinigt hatte, die Augen zu schließen und einer Geschichte zuzuhören.
In allen Einzelheiten schildert er nun eindringlich die Vergewaltigung des Kindes und endet mit dem Satz
„Und nun stellen sie sich vor, sie „(das Mädchen) „sei weiß.“

Dieser Satz hat mich frontal getroffen.
Wie soll es Gerechtigkeit und Gemeinschaftssinn geben, solange man sich an Unterschieden zwischen Menschen festhält und aufgrund derer ihre Bedeutung oder gar ihren Wert definiert?
In diesem Zusammenhang scheint mir der Trend, jeden denkbaren Unterschied, jedes potenzielle Alleinstellungsmerkmal in den Vordergrund zu stellen und beachten zu wollen, falsch zu sein.
Sollte es in einer funktionierenden Gemeinschaft nicht vielmehr komplett egal sein, wie einer tickt oder aussieht; ebenso, wie es m.E. die Öffentlichkeit nichts anzugehen hat, wer wen wie liebt (solange alle Beteiligten freiwillig und gern dabei sind)?
Ist es nicht wichtiger, sich gemäß seiner Fähigkeiten einbringen zu können, damit alle profitieren?

Das Motto der Französischen Revolution brachte es doch auf den Punkt, oder?
Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit.
Und ja! Damit sind für mich einfach ALLE Menschen gemeint, Männlein, Weiblein und alle anderen, Junge wie Alte und so weiter, auch ohne, dass ich jeden einzeln aufzählen muss! Justitia ist nicht ohne Grund blind.

Die Justitia auf der Rathaustreppe in Görlitz – Foto von Frank Vincentz

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