Gedankensplitter

14. Oktober 2020 – Schöner Herbst – schöne Welt

Am Sonntagmorgen
auf dem Weg von Rendsburg nach Hause.
Geruhsam mit dem Auto auf der Landstraße zockelnd,
mir Zeit nehmend zum Entdecken,
bin ich ihm begegnet, dem Herbst.

Das Wetter schien unentschlossen zwischen Regen und Sonnenschein,
Nebelschwaden hingen noch in Baumwipfeln und waberten über Wiesen.
Bäume säumten manchmal die Straße gekleidet schon in herbstlich bunte Farben.
Ab und zu warfen sie mit Kastanien und Eicheln nach mir, dem Störenfried.
„Plonk“, antwortete das Autodach auf die Provokation.

Ich fuhr durch verschlafene Orte,
in denen kaum jemand schon unterwegs war,
mit alten Bauerngehöften,
mit hübschen alten und neuen Häusern,
mit repräsentativen, modellhaften Vorzeigewohnsitzen.
Hier liebevoll gärtnerisch gestaltete Vorgärten,
da heimeliger Kitsch mit allerhand Steh-Rümchen und Staub-Einchen,
dort minimalistische, pflegeleichte Entrees,
das alles eine unwiderstehliche Einladung, sich die jeweiligen Bewohner vorzustellen.

Die üppigen Bauerngärten winkten im herbstlichen Orange.
Vereinzelt führte ein Hund zwischen zwei Regenschauern seinen Menschen aus.
Vorbei an leeren, abgeernteten Feldern führte die Straße.
Irgendwo galoppierte ein einsamer Reiter
über ein Stoppelfeld, das vor kurzem noch Mais trug.
Andernorts grünt schon das Wintergetreide.
Dazwischen plötzlich ein Meer von Sonnenblumen noch in voller Blüte,
ein letzter, strahlender Gruß des Sommers.
Nur wenige Kilometer weiter wieder Sonnenblumen, diesmal schwarz und verblüht.
Zukunft und Vergangenheit vereint auf einer kurzen Wegstrecke.

Kleinen Seen vom Regen bewegt,
so als kräusele das Wasser unmutig die Lippen ob der Störung.
Ein Angler lauerte still am Ufer, stoisch abwartend auf seine Chance.
Wenig später, schon wieder im Sonnenlicht,
glitzerte ein Bachlauf goldschimmernd eilig dahin
zwischen bemoosten Steinen ein Entenpärchen davontragend.

Elstern hielten ihren Sonntagsstammtisch auf einer leeren Weide.
Ein Bussard kreiste auf der Suche nach Beute.
Manche Katze war unterwegs in offenbar dringendem Kittybusiness.
Immer wieder Kühe auf der Weide, braune, weiße, zottelig und kurzhaarig, grasend, wiederkäuend, sinnend mir nachblickend.
Pferde eingehüllt in wärmende Decken trabten fröhlich über Wiesen.
Zwei Stuten standen da, bewachten den Schlaf ihrer vom Toben ermüdeten Fohlen.
Eine große Schar schnatternder weißer Gänse wie Wolken auf der Wiese vor einem Geflügelhof. Gleich nebenan allerhand frei laufende bunte Hühner, gackernd, scharrend.

Ich hätte ewig so weiter fahren und schauen können.


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