ABC-Etüden

ABC-Etüde KW 41+42 /2020 – Der Wechsel

Diesmal ist Werner Kastens (Mit Worten Gedanken horten) der Spender der Worte, die da lauten:

Landvermesser – aussetzen – undankbar

Die Aufgabe, aus diesen 3 Begriffen eine maximal 300 Wörter lange Geschichte zu erfinden,
wird wie immer von Christiane gewohnt souverän und liebevoll begleitet.
Danke für die Schreibeinladung.

Vorab

Als ich am Sonntag erwartungsvoll nachsah, was uns die neue Aufgabe für Vorgaben beschert, da waren mein Mann und ich eben auf Besuch bei meiner Mutter.
Entfernungs- und covid-bedingt hatten wir uns schon über ein Jahr nicht gesehen … und keiner wird jünger, also war es an der Zeit.
Unser Heimweg an eben diesem Sonntag führte uns über den Berliner Ring.
Jedes Mal, wenn wir diese Strecke fahren, fällt uns wieder das Phänomen des „Irgendwo im Nirgendwo“ auf.
Was ich meine, ist die Entfernungsbeschilderung auf eben jenem Ring rund um die Pannenstadt Berlin, bei der konsequent vermieden wird, zu verraten, wie weit es „von hier“ nach Dresden ist. Dresden steht zwar drauf, aber halt ohne Kilometerangabe.
Als uns dies das erste Mal auffiel (vor einigen zehn Jahren), da wurde an den Autobahnen rund um Sachsens Hauptstadt noch heftigst gebaut, so dass wir annahmen, die Landvermesser wären einfach noch nicht so weit, mangels vollständiger Wege.
Inzwischen ist die Strecke aber fertig, so weit Autobahnen eben fertig sein können. Die Kilometerangabe fehlt nach wie vor …
Folgende Theorien kann ich dazu anbieten:
1. Alle Wege führen nach Dresden, also fahr einfach, du wirst schon ankommen …
2. Dresden ist in Wirklichkeit Avalon, somit ist eine Entfernungsangabe schlicht unmöglich.
3. Die Landvermesser können sich nicht über den optimalen Weg einigen.

Kurz – ich weiß es nicht.

Aber davon handelt meine Etüde eh nicht.

Bild von Pashminu Mansukhani auf Pixabay

Der Wechsel

Vorbei. Traurig blickte sich Jörg ein letztes Mal in den nun leeren Räumen um, bevor er sich entschieden umdrehte, dem Vermieter die Schlüssel in die Hand drückte, sich verabschiedete und heimging.
Es war eine schöne, aufregende Zeit gewesen, als sein Kumpel Bodo mit der Geschäftsidee kam, alte Filme von Privatleuten zu digitalisieren.
Es gab damals einen regelrechten Hype, alles zu digitalisieren, was Eltern und Verwandte jemals auf Schmalfilm gebannt hatten.
Die Firma brummte, die beiden hatten genug zu tun und viel Freude an ihrem Job.
Doch die Aufträge wurden weniger. Für zwei reichten die Einkünfte bald nicht mehr.
Bodo stieg aus der Firma aus und Jörg wurschtelte noch einige Jahre allein herum. Aber letztendlich hatte er sich doch eingestehen müssen, dass es so nicht weiterging. Die Geschäftsschließung, diese undankbare Aufgabe, war unausweichlich geworden.
Was er danach tun wollte, war schnell klar.
Schließlich war er gelernter Landvermesser, die wurden immer gesucht.
So fand er trotz seines Alters von knapp unter 60 Jahren eine Anstellung.
Schnell merkte er jedoch, dass er das Arbeiten an der frischen Luft bei jedem Wetter nicht mehr gewöhnt war. In den ersten Monaten war er ständig erkältet.
Mit Ach und Krach kämpfte er sich ohne Krankmeldung durch die Probezeit, dann ging es nicht mehr. Lungenentzündung. Er kündigte.
An seinem letzten Arbeitstag geschah es, dass er beim Vermessen für einen Kran-Aufstellplatz auf einer Großbaustelle ein klägliches Winseln hörte.
Als er dem nachging, fand er einen jungen Labrador, der in eine Baugrube gefallen war.
Gemeinsam mit Kollegen holte er das verängstigte Tier aus der Grube.
Der Kleine trug kein Halsband, aber vielleicht war er gechippt? Mit einem Wurstbrot wurde der Hund ins Auto gelockt. Jörg brachte ihn zum Tierarzt.
Ihm schien es ein Wink des Schicksals. Sollte der bezaubernde Kleine tatsächlich ausgesetzt worden sein, dann würde er ihn behalten.

Photo by Skitterphoto on Pexels.com

-300 Wörter-

12 Gedanken zu „ABC-Etüde KW 41+42 /2020 – Der Wechsel“

  1. Och, diese Augen … *schmelz* Ja, Tiere können für ein Leben einen bedeutenden Unterschied machen. Trotzdem frage ich mich, was er jetzt tun wird, deine Etüde lässt das offen …
    Und ja, dieser Hype mit dem Digitalisieren, den kenne ich auch. Gibt immer weniger Leute, die das noch können, zum Teil sind es ja auch schon alte Musikcassetten, für die keine Abspielgeräte mehr vorhanden sind.
    Dein Ping ist nicht durchgekommen, der Link, den du eingesetzt hast, ist der vom Reader (mit „https://wordpress.com“ am Anfang), dann pingt es nicht. Entweder bitte ausbessern oder mir einen Kommentar mit dem Link zu deiner Etüde schreiben, geht das?
    Die Sache mit Dresden und Avalon finde ich dagegen überaus einleuchtend … 😉
    Mittäglich rauschende Regengrüße
    Christiane 😀

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