Gedankensplitter

17. Juli 2020 – in memoriam

Meine erste Begegnung mit Sönke war in den frühen 1990ern. Wir waren frisch aus Dresden hergezogen und hatten im Hesterhörn eine kleine Haushälfte gemietet. Bei einem unserer ersten Rundgänge durch den neuen Wohnort … von zuhause würde ich noch viele Jahre nicht sprechen können, dazu war alles zu „anders“ … entdeckten wir einen Hofladen mit Holz-Gartenmöbeln. Ich hatte noch nie zuvor Deck-Chairs gesehen, geschweige denn darin gesessen. Hellauf begeistert war ich, so chic, so bequem und ich habe seit jeher ein Faible für Dinge aus Holz. Dazu kam, dass der Verkäufer, Sönke, ebenso begeistert von seiner Ware war. Es machte Spaß, ihm zuzuhören. Was er alles darüber wusste, Wahnsinn.
Leider waren unser Mietgarten samt Terrasse ebenso wie die Börse zu klein für die tollen Stühle. So kauften wir nur ein Beistelltischchen, mit dem festen Vorsatz: „Irgendwann …“

Knapp 7 Jahre später wurden wir direkte Nachbarn. Auf einem Grundstück, dass seiner Familie gehört hatte, wurden 3 Doppelhäuser gebaut und eine Haushälfte davon kauften wir.
Nun war es so weit, sowohl die Terrasse als auch unser Geldbeutel waren endlich groß genug, die begehrten Objekte zu erwerben.
Leider hatte Sönke den Handel inzwischen aufgegeben. So kauften wir die Stühle anderswo und stellten sie zu „seinem“ Tischchen.
Die Begeisterungsfähigkeit und Wissbegier, die mich schon bei unserer ersten Begegnung so fasziniert hatten, hat sich Sönke immer erhalten. Als Nachbar war er ein riesen Gewinn, Nicht zuletzt durch sein profundes gärtnerisches Wissen und Können, dass er bereitwillig teilte.

Unsere Nachbarschaftsparties waren legendär. Gern erinnere ich mich an die Einweihung unseres Carports. Wo das Gelächter am lautesten war, da war Sönke mitten drin.
Nicht so gern erinnere ich mich an den nächsten Morgen:
Nachdem alle Nachbarn irgendwann in der Nacht ihre selbstgemachten Schnäpse zum Probieren aus den Kellern holten und natürlich jeder alles kosten musste … hatte ich das Gefühl mit meinem Kopf nicht wirklich durch die Tür zu passen. Aber schön war’s trotzdem.

Wenn es die Geschichte von Hans im Glück noch nicht gäbe, so wäre er das ideale Vorbild:
Aus allem, was andere Menschen ausschließlich als riesen Pech oder gar Unglück empfunden hätten, schien er immer noch etwas Positives zu ziehen, um sich mit der ihm eigenen Begeisterung einem neuen Versuch, einer neuen Herausforderung zu widmen.
Aufgeben schien für ihn nie eine Option zu sein.
Wenn ich auf meinem Deck-Chair sitze, denke ich oft an ihn.

Nun war in diesem Frühjahr die Stelle des jenseitigen Obergärtners vakant und Sönke hat sie angenommen. Ich stelle mir vor, dass er jetzt gerade da Drüben, mit der ihm eigenen Energie seine tollen Gartenideen umsetzt.
Hier fehlt er seiner Frau, seinen drei Töchtern und so vielen Menschen, die ihn, wie ich, sehr mochten.
Aber irgendwann treffen wir uns wieder und er zeigt uns stolz seinen Garten Eden.
Und dann gibt’s wieder eine riesen Party.

3 Gedanken zu „17. Juli 2020 – in memoriam“

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