Gedankensplitter

25. November 2019 – Vom Zuhören und anderen Unmöglichkeiten

Was du nicht willst, das man dir tu…

Kennst du diese Diskussionen, bei denen dein Gesprächs(!)partner gefühlt nur darauf lauert, dass er irgendeinen Ansatzpunkt findet, um einzuhaken, deine Meinung einfach abzutun, dich zu unterbrechen, nicht weiter zuhören oder womöglich mitdenken zu müssen? Wenn du dich fragst, was das jetzt soll? Du wolltest doch nur etwas erzählen?
Wie gehst DU damit um?

Das Blöde bei mir ist, dass ich mich da mitreißen lasse und genauso agiere, kein bissel zuhöre, sondern nur versuche, wieder dran zu kommen, endlich meine Geschichte fertig zu erzählen. Es schaukelt sich hoch, eskaliert…
Wenn ich mich dabei ertappe, dann verstumme ich komplett, erschrocken über mich und die Situation, unfähig einen verbalen Weg heraus zu finden. Das ist auch nicht in Ordnung für das Gegenüber, ich weiß. Ich hab da einfach keine vernünftige Exit-Strategie.

Warum hören wir einander oft nicht mehr zu?
Muss eine schlichte Meinungsäußerung, ein ausgesprochener, vielleicht noch gar nicht fertig gedachter, Gedanke wirklich sofort in eine Schwarz-Weiß-Diskussion, in ein „Du-hast-unrecht!“, „Du erzählst-Quatsch!“, münden?

Warum nicht wieder öfter statt eines Schlagabtausches einfach nur freundlicher Meinungsaustausch? Einfach nur ein nettes Gespräch halt…

Warum den anderen sofort an die Wand pinnen und mit Argumenten mundtot werfen? Profilierungssucht überall?

Die tut nix, die will nur spielen…

Das andere schreckliche Phänomen ist für mich, wenn mein Gesprächspartner mir irgendwelche bösartigen Hintergedanken unterstellt. Plötzlich bin ich in der Defensive und weiß gar nicht warum.
Wenn in Gespräche irgendwelche Metaebenen eingezogen werden, die rein interpretativ sind… Das ist so anstrengend und brutal.
Muss ich mir wirklich, um des lieben Friedens willen, jeden Satz den ich von mir gebe, x-mal überlegen und im Kopf umformulieren, nur um nicht missverstanden oder negativ ausgelegt zu werden? Was ist das für ein Miteinander?
Wie mache ich anderen klar, dass ich nur genau das meine, was ich sage und nichts anderes und dass auch kein geheimer, fieser Masterplan dahinter steckt, sie anzuprangern oder gar zu verleumden, dass es in dem, was ich sage oder tue, keineswegs darum geht, ihm /ihr eins auszuwischen?

Es könnte doch so einfach sein:
Dem Gegenüber zuhören und zunächst mal guten Willen unterstellen. Unschuldig bis zum Gegenbeweis. Ich arbeite dran…machst du mit?
Gesucht wird die freundliche Welt… (Heinz Kruschel)


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2 Gedanken zu „25. November 2019 – Vom Zuhören und anderen Unmöglichkeiten“

  1. Ich habe für mich den Trick entdeckt, durchzuatmen, wenn ich in so einen Schlagabtausch gelange. Dh ich atme immer einmal kurz ein und aus, bevor ich etwas Neues sage.
    Das nimmt die Brisanz aus dem, was ich sagen will, und ich habe die Möglichkeit mir ins Gedächtnis zu rufen, dass es ein Gespräch und keine 2 Monologe sind. Klappt nicht immer. Es gibt Menschen, die mich nerven. Da werde ich ungeduldig und versuch sie mit 100kmh zu überfahren, aber meistens klappts.
    Btw wenn man einen Gegenüber hat, der sich aufregt, ist es super extra lange zu warten und langsamer zu reden. Entweder der Gegenüber wird ruhiger oder explodiert. 😅
    Grüße, Katharina

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