ABC-Etüden

ABC.Etüde III KW 45+46 / 2019 – Baum statt Beton

Die aktuellen Wörter kommen  von Anna-Lena mit ihrem Blog „Meine literarische Visitenkarte„. Die neuen Begriffe lauten:

Himmelsleuchten
                                  recycelbar
                                                       ausreisen.

Und hier noch der Pingback-Link zu Christianes Schreibeinladung

Vorab die echten Fakten:
Im Oktober 2018 eröffnete in Istanbul der neue Großflughafen.
Um die erforderliche Fläche zu erhalten, wurden 2,5 Millionen Bäume gefällt.
Am 11.11.2019 gab es in der Türkei den Tag des Baumes, an dem die gesamte Bevölkerung aufgerufen war, Bäume zu pflanzen. Damit will der türkische Präsident seinem Versprechen nachkommen, im Gegenzug zu den gerodeten Bäumen 5 Millionen neue zu pflanzen…
Der Bau hat auch durch katastrophale Arbeitsbedingungen zum Tod von mindestens 400 Bauarbeitern geführt. Was Erdogan da zum Ausgleich plant, ist mir nicht bekannt…

Das ist die Basis für die folgende (leider?) nicht wahre Geschichte:

Baum statt Beton

Der Nachrichtensprecher schaut ernst in die Kamera:
„Wie erst heute bekannt wurde, haben Umweltaktivisten im Mai diesen Jahres große Teile des Rollfeldes des Großflughafens Berlin-Brandenburg in einer nächtlichen Aktion gesprengt und darauf 5.000 Apfelbäume gepflanzt.
Auf die Frage, warum dies erst jetzt, im November, bemerkt wurde, antwortete der Sprecher der Flughafen-Betreibergesellschaft: ‚Mit so etwas hat keiner gerechnet. Wir haben einen engen Zeitplan, viele offene Fragen und keine Zeit täglich nachzuschauen, ob die Rollfelder noch da sind.‘
Sachverständige sprechen von einem Schaden in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe, dessen Behebung die Eröffnung des Flughafens um weitere 10 bis 15 Jahre verschieben wird.
Wie der Sprecher weiter ausführte, überlegt die Betreibergesellschaft, die Idee aufzunehmen und die gesamte Fläche zu einer Erlebnis-Obstplantage umzugestalten. ‚So bekommen wir kurzfristig Geld in die Kasse und können anderswo komplett neu bauen.‘
Weitere Nachfragen blieben unbeantwortet. Die Verantwortlichen sind heute Morgen mit unbekanntem Ziel ausgereist.
Zuvor wurde ein namhaftes Ingenieurbüro beauftragt, den Beton der Rollfelder auf recycelbare Bestandteile zu prüfen.
Mittlerweile liegt ein Bekennerschreiben der Umweltgruppe >Himmelsleuchten< vor. Als Beweggründe für die Aktion >Baum statt Beton<, an welcher nach Aufruf via Facebook, über 3.000 Personen teilnahmen, wurde neben Umweltschutz auch die Frage genannt, wie lange es wohl dauern würde, bis die Aktion bemerkt wird.
Das zumindest wissen wir jetzt.
Anwohner solidarisieren sich ausdrücklich mit der Aktion. Die gepflanzten Apfelbäume seien wertvolle alte Sorten und sehr ertragreich, heißt es. Bereits die diesjährigen Erträge waren vielversprechend. Anfang Oktober feierten die Anwohner spontan die Ernte mit einem Kuchenbackwettbewerb. Das beste BER-Apfelkuchenrezept wurde mit einem künstlerisch gestalteten Betonbrocken prämiert und in das Sortiment der umliegenden Bäckereien aufgenommen.“

-263-
fruit-1379911_640
Bild von Peter H auf Pixabay

10 Gedanken zu „ABC.Etüde III KW 45+46 / 2019 – Baum statt Beton“

  1. Da steckt doch in Wirklichkeit das Land Brandenburg dahinter, die zum Einen die Schlappe mit dem BER nicht eingestehen wollen und jetzt diese Baumkommandos engagiert haben um abzulenken. Dabei aber gleichzeitig die uralte Geschichte von Adam und Eva im Auge haben: die Verteilung von kostenlosen Äpfeln wäre dann die größte Verführungsaktion der Geschichte und würde nachhaltig die AfD in den Schatten stellen. Mit Blick auf die Monowirtschaft mit Birnen im brandenburgischen Havelland könnte man der Bevölkerung zeigen, dass hier neue innovative Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Ausschreibungen sollen schon laufen: Qualifizierte Apfelpflücker auf 450-Euro-Basis, bevorzugt auch für Umschüler aus den kriselnden Automobilwerken.

    Gefällt 1 Person

  2. Sehr schöne witzige Idee und wahrscheinlich gar nicht so unrealistisch, bis auf den Umgang. Das gäb sicherlich Hexenjagden.
    Das mit dem türkischen Flughafen hatte ich auch schon gelesen. Ein türkischer Pressesprecher schrieb, dass die Familien entschädigt wurden. Das Geld hätten sie vorher in Sicherheitsmaßnahmen investieten sollen…
    Grüße, Katharina

    Gefällt 1 Person

  3. *loslach*
    Sehen wir mal davon ab, dass Apfelbäume nicht im ersten Jahr tragen, finde ich die Idee großartig, auch mit der Frage, wann die Aktion wohl bemerkt werden würde. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass so was durchaus realistisch sein könnte, sieht man sich mal Berichte über Pannen etc. an.
    Vielen Dank, sehr kreativ. Auch wenn einem bei dem zugrundeliegenden Bericht das Lachen eher im Hals stecken bleibt …
    Liebe Grüße
    Christiane 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Ja. Nach dem zu Grunde liegenden Bericht sind mir die Bauverzögerungen und -kostensteigerungen in Berlin fast sympathisch.
      Und ja, ich fürchte auch, dass das Szenario durchaus eine gewisse Realität haben könnte. Schuld wäre dann natürlich wieder die böse, böse Socialmedia-Plattform, die solche Aktionen erst möglich macht …😉
      Das mit den Apfelbäumen ist dichterische Freiheit….

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.