Gedankensplitter

18. Oktober 2019 — Statistik und Kaffeesatzlesen

Ausgelöst durch fraggles Text „Qualitätsjournalismus und Mario Barth

(                  …und ich erwähne es an dieser Stelle gern erneut:
.                   Diese Überschrift beschreibt zwei Enden einer seeeeehr langen Straße …
)

in welchem er seinem -garantiert berechtigten- Unmut über eine Sendung namens „Mario Barth deckt auf“ Luft macht, kam mein innerer Investigator auf die Frage: „Wie ist das eigentlich mit den Einschaltquoten? Wer ermittelt sie wie?“.
(Ui, was’n Satz!)

Besagter Investigator biss sich also an der Frage fest und nervte: „Nun guck doch mal. Da war doch was mit ausgewählten Haushalten?“

Ja, stimmt, da war was. Wikipedia weiß auch in diesem Falle „alles“ darüber. Naja, zumindest fast.

Die GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) erhebt in Deutschland im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) besagte Einschaltquoten auf Basis des Fernsehverhaltens von 5.000 ausgewählten Haushalten mit insgesamt rund 10.500 Personen.
Von diesen Zahlen ausgehend, werden zum einen die Programme der Sender, zum anderen aber auch die Werbeblöcke nach Themen und Zeiten geplant.

Das mag ich gar nicht glauben…
Wenn ich mir die Entwicklung der Fernsehprogramme in den letzten Jahren betrachte, und zwar egal, ob öffentlich rechtlich oder privat, dann kann ich nur sagen: Armes Deutschland.
Selbst bei den öffentlich rechtlichen Sendern werden anspruchsvollere Sendungen eingestampft oder in die Nachtstunden verbannt (ja: Arte und 3sat und manchmal die Dritten sind löbliche Ausnahmen).
Zum Glück gibt’s die Mediatheken, in denen man Sendungen zu weniger nachtschlafenden Zeiten nachschauen kann.

Nun kenne ich eine Menge Leute, die ebenso wie ich unzufrieden sind und im Gegenzug fast niemanden, der wirklich noch gern regelmäßig fernsieht.

Daher folgerichtig die nächste Frage: Wofür sind diese 5.000 Haushalte repräsentativ? Angeblich spiegeln sie ja den Bevölkerungsdurchschnitt in Deutschland wider. Nur nach welchen Kriterien?

Hier ist wikipedia leider sehr vage.
Ich zitiere:

„Die Haushalte zur Erhebung der Einschaltquote werden nach bestimmten Verfahrensweisen ausgewählt. Haushalte können sich nicht selbst bewerben. Ist ein ausgewählter Haushalt bereit, bei der Fernsehforschung mitzuwirken, erfolgt die Installation der Messgeräte an möglichst allen verfügbaren Fernsehgeräten im Haushalt. Per Knopfdruck melden sich die einzelnen Personen eines Haushalts an und ab, um sich als Zuschauer zu identifizieren.“

und auch die AFG und GfK selbst halten sich diesbezüglich sehr bedeckt:

Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) erfasst die Gesellschaft für Konsum­, Markt- und Absatzforschung (GfK) die Fernsehnutzung von Personen ab 3 Jahren in Deutschland. Im sog. AGF-Fernsehpanel (D+EU), das aktuell aus fast 10.500 Personen in rund 5.000 Haushalten besteht, wird die Fernsehnutzung tagesaktuell elektronisch gemessen. Die Daten sind repräsentativ für rund 72 Mio. Personen ab 3 Jahren in Fernseh-Haushalten.
Quelle: https://www.ndr.de/der_ndr/daten_und_fakten/ndrdatenglossar113.html

Die Frage nach dem Auswahlprinzip zur Zusammensetzung des Panels bleibt also weitgehend offen. Vielleicht auch besser so.
Okay: Das Fernsehverhalten von Dreijährigen und hohe Quoten für’s Dschungelcamp…da klingelt was bei mir…

Einmal mehr bestätigt sich der bekannte Satz vom Vertrauen in die Statistik. Die Zahlengläubigkeit von Entscheidern ist immer wieder erschreckend.
Wer sagte das noch mal: „Wenn du glaubwürdig lügen willst, dann musst du in Zahlen lügen.“ ?
Sollte dagegen die Repräsentativität (ein schönes Wort!) dieser Haushalte tatsächlich richtig sein, und die Einschaltquoten demnach „real“, dann erwäge ich ernsthaft auszuwandern.

Bei mir bleibt somit der Fernseher weiterhin meistens aus.
Wahrscheinlich ist Fernsehen ja ohnehin eine aussterbende Art.
Die Dinosaurier wer’n immer trauri’er…

21. Oktober 2019, Nachtrag:  „Bildungsfernsehen“ oder „bildungsfern sehen“, das ist hier die Frage?

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