Gedankensplitter

5. Oktober 2019 — alles auf links

„Der ist für Links“ schalmeit es durch das Schreibwarengeschäft.
Keine Ahnung wer oder was für links ist und an wen von den anwesenden Kunden oder Kollegen die Verkäuferin diese Information ausgibt. Alle gucken leicht irritiert, so auch ich.
Ganz kurz erfasst mich der irre Wunsch zurückzurufen: „Was kosten die Kondome?“
Aber gute Erziehung und das Wissen, dass meine Art Humor oft nicht verstanden wird, halten mich zurück…. Ja gut, ehrlich gesagt, bin ich auch zu feige!

Ach so! Der Groschen fällt:
Sie meint tatsächlich mich bzw. den Bleistiftanspitzer, den ich soeben in der (linken!) Hand halte und der tatsächlich für Linkshänder ist. Darüber nachsinnend, worin wohl der Unterschied zu Rechtshänder-Anspitzern besteht.

Oha!
Das Kopfkarussell beginnt zu rotieren. Tausend Gedanken umschwirren mich wie ein lästiger Mückenschwarm:
Warum kommt sie nicht zu mir, um mich drauf aufmerksam zu machen, sondern plärrt quer durch den Laden, wie ein Kind vor dem Süßigkeitenregal?
Müssen Verkäufer nicht in erster Linie höflich sein? … Ist ja nett, dass sie mitdenkt, aber kundenfreundliche Kommunikation geht anders.
Ob sie immer so ist? Oder hat sie nur einen miesen Tag? Warum wohl?
Und außerdem:
Warum denkt sie überhaupt, dass ich den für mich falschen Artikel in der Hand halte? Sehe ich so unbedarft aus, dass man mir alles laut und langsam erklären muss? Oder als ob ich nicht lesen kann, was am Regal steht?
Woran macht sie für sich aus der Ferne fest, dass ich kein Linkshänder bin? Wie sieht ein „echter“ Linkshänder aus? Guckt der anders? So mehr links herum?
Und selbst wenn ich keiner bin, woher will sie wissen, dass ich das Teil für mich kaufe? Es hätte doch gereicht, mich beim Kassieren zu fragen, ob ich mir bewusst bin, dass… ohne mich gewissermaßen öffentlich vorzuführen und in die Defensive zu drängen.
Leg ich mich jetzt mit ihr an, oder verbuche ich es unter „gut gemeint“?

Schwirrrrrrrr….
Irre, was man in Sekundenbruchteilen so alles denken kann.

Und all diese Fragen werden auf ewig ungeklärt bleiben, denn ich habe sie ihr nicht gestellt.
Es war ein schöner Sommertag… Keine Lust auf Diskussion und Erklärungsnotstand.
Wozu auch? Ich bin kauflos aus dem Laden gegangen und hab meinen Spitzer (mit diversen anderen Dingen) online bestellt.

Nun stolperte ich letztens über den Spruch:

      Wer kämpft, der kann auch mal verlieren, 
      aber wer nicht kämpft, der hat schon verloren.

Mmmmh. Bin ich demnach ein Loser, weil es mir zu blöd war, mich mit der Dame und ihrer Art, mich zu belehren, auseinanderzusetzen?
Eher glaube (und hoffe) ich, dass es zwei Kategorien von „Kämpfen“ gibt:
Wichtige, denen ich mich stellen muss
und andere, die Energieverschwendung wären.

Hand

nach oben

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..