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29. Oktober 2018 …“Alte“ Frau rechnet ab: Jobsuche

In den News bei XING entdeckte ich heute einen Artikel von Julia von Pidoll: „Junge Frau rechnet ab: So lächerlich ist Jobsuche heute“. Sie schildert darin ihre Versuche, als hervorragend ausgebildete Berufseinsteigerin einen Job zu finden, von dem sie leben kann.
Ich empfehle es dir, diesen, sehr gut geschriebenen, Artikel zu lesen. Hier nur zwei markante Auszüge:

Zu hohe Erwartungen

Egal ob Monster, Xing oder Stepstone – ja selbst auf EDITION F: Händeringend scheinen „Fachkräfte“ gesucht zu werden, Mädchen für alles und schillernde Persönlichkeiten mit Visionen und Führungsqualitäten. Große Fische sind darunter, wie beispielsweise die Deutsche Bahn, kleinere aber dafür umso buntere Fische in Form von Berliner Startups ebenso.
Doch was ist das? Der vermeintlich reich gedeckte Tisch der beruflichen Möglichkeiten hat viele leere Plätze – Aber wir, die Berufseinsteiger sind nicht eingeladen. Es fühlt sich an, wie die schmerzlichen Erfahrungen aus der Gastronomie, wenn nach einem Empfang für irgendwelche Steuerprüferkongresse noch jede Menge Köstlichkeiten übrig sind – aber das Servicepersonal nach acht Stunden Schicht (ohne Essen) angewiesen wird, diese unangetastet zu entsorgen.

und weiter unten…

Lücke im System statt Mentoren für Berufseinsteiger

Mir drängt sich der Eindruck auf, dass wir es mit einer Lücke im System zu tun haben, die keiner so wirklich bereit ist zu füllen. Da werden für Tätigkeiten mit mittlerem Aufgabenprofil und mäßigem Unterhaltungswert Ansprüche formuliert, die sich in der Menge lesen wie der Weihnachtswunschzettel eines 6-jährigen Kindes: Überdurchschnittliche Leistungen in Uni und Schule, endlose Begeisterung für Unternehmen und Kerngeschäft (Oh ja, schon als Kind träumte ich von Gummiläufen von Rolltreppen und deren Distribution), Kreativität, Kreativität, Kreativität.
Eigenständigkeit, aber auch Teamfähigkeit, Leistungsbereitschaft – ach was Leistungsdrang! Nicht zu vergessen Flexibilität. Dazu kommt dann eine lange Liste an Tätigkeiten, für die man vermutlich früher drei Stellen geschaffen hätte und das Ganze wird dann garniert mit der Voraussetzung von mindestens (!) drei Jahren Berufserfahrung und der fehlenden Angabe des Gehaltes.

Die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau ist nach wie vor Gang und Gäbe auf dem Stellenmarkt.

Warum interessiert mich das? Seit einem Jahr versuche ich als Quereinsteiger meine fachlichen Kenntnisse, meine Interessen und meine beruflichen und Lebenserfahrungen in einen neuen Job zu gießen.
Stellenanzeigen gibt es wie Sand am Meer. Viele der ausgeschriebenen Jobs könnte ich gemäß der Aufgabenbeschreibung ohne Probleme übernehmen. Ich hab allerdings meist nicht genau die Ausbildung, die in den Anzeigen vorgegeben wird.
Ich könnte Frau von Pidolls Artikel nehmen, müsste nur ein klein wenig umschreiben und er würde zu einhundert Prozent auch für Berufs“um“steiger mit über 50 Jahren stimmen.

Was nutzt es, dass die Bundesregierung Flexibilität von den Arbeitnehmern fordert, wenn gleichzeitig die Arbeitgeber, so scheint es, nicht in der Lage sind, Potentiale zu erkennen und für sich zu nutzen und stattdessen ihre Zeit lieber mit Jammern über fehlendes Fachpersonal verbringen ?

Irgendwie scheint es momentan nur gut bezahlte Jobs für die Altersgruppe 30 bis 49 Jahre zu geben. Nicht, dass ich dieser Generation das nicht gönne! Aber wie passt das zu den öffentlichen Forderungen nach Flexibilität und danach, zum einen Ausbildungszeiten zu verkürzen und zum anderen, das Rentenalter weiter zu erhöhen?

Verlierer im Jobroulette sind momentan die Berufseinsteiger und diejenigen, die schon einiges geleistet haben, sich aber noch mal neu orientieren wollen oder müssen und flexibel genug sind, mit über 50 noch mal neu durchzustarten. Beide Gruppen sind sehr gut ausgebildet, die einen dazu noch mit viel Energie und jugendlichem Enthusiasmus, die anderen mit fachlicher Reife und Lebenserfahrung. Dennoch scheint trotz vieler offener Stellen für beide Gruppen kein Platz in den Unternehmen zu sein.

Wie kann sich unsere Gesellschaft das eigentlich leisten?

Viele Stellenanzeigen sehe ich seit Monaten immer und immer wieder. Auf eine Bewerbung kommt dann aber oft nicht mal eine Antwort. (Was allerdings auch schon einiges über den Stellenwert der Mitarbeiter im Unternehmen aussagt.)
Nein, auch ich bin nicht bereit, noch mehrere Jahre mit unbezahlten Praktika zu verdaddeln, um eventuell, kurz vor der Rente, irgendwo doch einen Fuß in die Tür zu bekommen. Wie bei vielen anderen scheint es derzeit auch bei mir auf Selbstständigkeit herauszulaufen. Glück geht anders!


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