Gedankensplitter

26. Juli 2018 … Selbstfahrende Autos? Für mich noch lange nicht!

Alle reden von selbstfahrenden Autos, von intelligenter Mobilität und die ersten Modelle gibt es auch schon (z.B. von Tesla)…

Ich gebe zu, ich bin da hin und hergerissen. Die Technik fasziniert mich schon, aber von der Idee, mich da komplett einer Maschine zu überlassen, fühle ich mich entmündigt.
Ja, ich weiß, im Flugzeug, in der Bahn oder im Bus fahre ich auch nicht selber, und es stört mich nicht … Für mich ist das jedoch schon ein Unterschied: Ich bin weder Pilot, noch Lok-Führer, noch Busfahrer, somit bleibt mir da nix anderes übrig, als mich anderen anzuvertrauen und das Beste zu hoffen.

Autofahren kann ich selbst und tue es gern. Ebenso gern entscheide ich, auf welchem Weg ich von A nach B kommen will.

Ich gehöre zu denen, die noch gelernt haben, Straßenkarten zu lesen und treibe mein Navi regelmäßig in den Wahnsinn, weil ich anders fahre, als es vorschlägt.
Einfach, weil ich die Strecke hübscher, interessanter oder für mich optimaler finde. (Ich rechne eigentlich jederzeit damit, dass irgendwann Rauch aus dem Navi aufsteigt oder die „Uschi“, wie die Stimme aus dem Off bei mir heißt, anfängt mich zu beleidigen…).

Die Vorstellung, dass mein Fahrzeug mich ans Ziel bringt, ich jedoch auf den konkreten Weg dahin keinen Einfluss habe, ist für mich nicht erstrebenswert … bin halt ein Eigenbrötler.

Diesem Gefühl der Entmündigung, das bestimmt nicht nur ich habe, muss doch etwas Sinnvolles entgegen zu setzen sein?
Momentan sehe ich allerdings noch nicht, was und sehe somit für mich auch keinen Mehrwert im komplett autonomen Auto.

Im Gegenteil. Die angestoßene öffentliche Ethikdiskussion nach dem Motto: „Soll das Auto lieber meinen Tod in Kauf nehmen oder jemanden auf der Straße überfahren?“ schreckt mich eher ab.

Dazu hab ich folgendes anzumerken:
A. Ich will nach Möglichkeit überhaupt niemanden überfahren.
Dabei ist zum Beispiel das Alter der Person jedoch komplett egal: Es ist meines Erachtens unethisch und diskriminierend den Wert eines Lebens am Lebensalter bzw. der voraussichtlich noch bestehenden Lebenserwartung fest zu machen. Es ist schlimm, wenn Kinder überfahren werden, aber nicht weniger schlimm, wenn es Erwachsene betrifft.
FAZIT für mich: Diejenigen, die diese Diskussion so führen, diskriminieren hier potentielle Verkehrstote auf Grund des Alters!
Die Was-Wäre-Wenn-Diskussion heizt nur die Stimmung auf und hilft nicht. Das ist reines Kaffeesatz-Lesen. Der „Alte“ kann grade ein Mittel gegen Aids erforschen und das Kind später ein Massenmörder werden … Wer weiß das schon?
JEDER Verkehrstote ist einer zu viel!

Abgesehen davon:
Wenn es so wäre, dass diese selbst fahrenden Gefährte mit hoher Wahrscheinlichkeit überhaupt in derartige Entscheidungssituationen kämen, dann sähe ich in ihnen erst recht keinen Nutzen und dies wäre für mich ein schlagendes Argument, dass das Ganze eben noch längst nicht serientauglich sei.

B. Das Auto ist MEIN „Angestellter“, also hat es, verdammt noch mal, zu allererst mich bzw. seine Insassen zu schützen und nicht irgendwen anders!
Ich würde mich nie freiwillig in ein Gefährt setzen, dass mich willkürlich und von mir selbst nicht beeinflussbar durch die Gegend schaukelt und sich bei möglichen Gefahrensituationen womöglich grundsätzlich z.B. auf Grund meines Alters oder warum auch immer, gegen mich und meine Gesundheit entscheidet.

Das Ganze ist für mich sehr spannend, aber gleichermaßen auch befremdlich.
Momentan halte ich es deshalb damit wie David Foster Wallace mit Kreuzfahrten: „Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich.“


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